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14. Oktober 2007

Brutale Finnen

Glaubt man den Worten des schwedischen Kriminologen Jerzy Sarnecki, dann gibt es in Finnland eine gewisse grundsätzliche Neigung zu Brutalität. Einer nordeuropäischen Studie über Jugendgewalt zufolge ist die Bandenkriminalität unter Jugendlichen jedoch in Dänemark am stärksten ausgeprägt.

Zur Untermauerung seiner These von den brutalen Finnen weist Sarnecki auf den finnischen Bürgerkrieg hin und dass der Geist dieses Kriegs sozusagen von Generation zu Generation weitergegeben worden sei.

Dazu mag ein Fall passen, der ganz Finnland erschüttert hat. Ein 21-Jähriger Mann hat in dem kleinen Städtchen Kotka an der Südküste seine beiden Schwestern (14 und 16 Jahre alt) ermordet.

Aber Sarnecki hat natürlich unrecht und ein Professor sollte sich nicht zu derart banalen Stereotypen hingeben, die an schwedischen Stammtischen gedroschen werden.

In Deutschland hört man oft verunglimpfende Generalisierungen über Polen. Der aus Polen stammende Sarnecki sollte mit seiner Ausbildung wissen, dass all das nichts weiter ist als Volksverhetzung.

17. Juli 2007

Russen kaufen Finnland auf

Der Finnland-Korrespondent von Dagens Nyheter Stefan Lundberg schreibt heute einen Artikel und berichtet aus dem Saimaa-Seengebiet in Finnland, in dem auch viele deutsche Urlauber Erholung von Staus, Smog und Stress suchen. Im Südosten von Finnland kaufen seit geraumer Zeit reiche St.Petersburger die "mökkis", finnische Sommerhäuser, die am See liegen. Und zwar in Massen.

Dabei will der russische Kunde eigentlich kein klassisches Mökki, das in vielen Fällen mit Plumpsklo und ohne Elektrizität ist, sondern lieber ein Haus mit mindestens 100 Quadratmetern, in dem alles an moderner Bequemlichkeit eingebaut ist.

Da die Russen bedeutend zahlungskräftiger sind als die meisten Finnen, steigen die Preise und machen bessere Objekte kaum noch bezahlbar für die Einheimischen. Dass das zu Unmut führt, ist logisch. Die sozialdemokratische Lokalpolitikern Suna Kymäläinen hat eine Unterschriftenaktion gestartet und fordert eine Begrenzung russischen Besitzes in Finnland.

Das wird wenig Aussichten auf Erfolg haben und selbst wenn, würden die Käufer schnell auf finnische Strohmänner ausweichen können.

Die Familie Babkin aus St.Petersburg hat sich ein Ferienhaus für ca. 550 000 € gekauft und in nur drei Stunden Autofahrt ist man von St.Petersburg hier.

Finnland hat seine besondere Geschichte mit dem grossen Nachbarn im Osten, der im Zweiten Weltkrieg versuchte, das Land zu annektieren. Mit grossen Aufopferungen und grosser Tapferkeit gelang es den Finnen, unabhängig zu bleiben, worauf man zwischen Turku und Kilpisjärvi sehr stolz ist.

Nun findet eine neue Form der Annektierung statt, gegen die man sich nicht wehren kann. Der finnische Einzelhandel und der Tourismussektor profitiert natürlich hiervon. Lundberg spekuliert ein wenig, dass viele wohlhabende Russen jetzt versuchen, möglichst viel Geld in Besitz im Ausland zu investieren, weil man unsicher ist ob der Machtübernahme eines neuen Präsidenten im Jahr 2008.

5. Februar 2007

Literatur - Susanna Alakoski: Svinalängorna

Die Debütantin Susanna Alakoski (*1962) erzählt in ihrem noch nicht ins Deutsche überzetzten Roman „Svinalängorna“ (etwa: „Die Schweinshäuser“) vom Aufwachsen der Ich-Erzählerin Leena und ihrer beiden Freundinnen Riitta und Åse. Es geht um das Ende der 60er und den Anfang der 70er Jahre und wie Henning Mankell, so hat auch Susanna Alakoski das südschwedische Ystad als Schauplatz ihres Romans ausgesucht. Im Falle der Autorin ist das autobiographisch, sie wurde in Vasa geboren und zog mit ihren Eltern nach Ystad in den neu gebauten Stadtteil Fridhem.

In den 60er Jahren wanderten einige Hunderttausend Finnen in Schweden ein. Es ist die Zeit, in der Schweden und seine sozialdemokratischen Regierungen ganz intensiv am Folkhem, dem Volksheim bauen. In Schweden, das vom Zweiten Weltkrieg verschont blieb, herrscht beinahe Vollbeschäftigung und um den Arbeitskräftemangel zu decken, werden Männer und Frauen aus dem östlichen Nachbarland geholt. Dort sieht es wirtschaftlich nicht so gut aus, Finnland muss hohe Reparationszahlungen an die Sowjetunion leisten.

Susanna Alakoski hat ein grossartiges Debüt vorgelegt. Es ist ein Stück schwedischer und auch finnischer Sozialgeschichte, es ist ein Arbeiterroman aus der Unterschicht der Gesellschaft. Alakoski soll selber in Fridhem gewohnt haben und hat erst als Erwachsene erfahren, dass man ihren Stadtteil abfällig „Svinalängorna“ nannte.

Die Ich-Erzählerin Leena wächst mit ihren Geschwistern Markku und Sakari und den Eltern in Ystad auf. Mit der Zeit trinken Leenas Eltern immer mehr, sie sind „periodare“, saufen in Perioden und dann gibt es wochenlang nichts im Kühlschrank und Leena muss sich um ihren kleinen Bruder kümmern und versucht, immer mehr Zeit bei ihrer Freundin Åse zu verbringen. Immer schlimmer werden die Alkoholperioden der Eltern, Vater Kimmo misshandelt seine Frau, bricht ihr mehrere Rippen. Mehrfach werden die Kinder vom Sozialamt in Gastfamilien platziert.

Alakoski schildert das alles sehr sinnlich aus der Kindesperspektive, das Kind, das sich nach Ruhe sehnt und sich für seine Eltern schämt. Das Buch wird verfilmt werden, war kürzlich zu lesen und es gewann Ende 2006 den renommierten August-Preis für den besten Roman des Jahres. In Schweden leben rund 450 000 Schwedenfinnen. Bislang gibt es sehr wenig Literatur aus ihren Reihen. Man kann nur hoffen, dass Susanna Alakoskis glänzender Roman von vielen „Sverigefinnar“ gelesen wird und zum Schreiben motiviert.

Das Buch „Svinalängorna“ ist ein Stück Arbeiterliteratur und knüpft damit auch an eine alte Tradition in der schwedischen Literatur an. Für diese Art Literatur schien es eigentlich keine Nachfrage mehr zu geben. Dass Alakoskis Buch jetzt schon in zwölfter Auflage gedruckt wird, scheint die Feuilletonisten jedoch eines Besseren zu belehren.

2. Februar 2007

Finnland: Kirka gestorben

Der finnische Sänger Kirka ist tot. Er starb am 31.01. plötzlich an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 56 Jahre alt.

Kirka Babitzin begann seine lange Karriere bereits 1962. In Finnland erschienen von ihm 27 Alben, mehrere davon erhielten Platin und Gold. Seine erfolgreichste Scheibe war "Surun pyyhit silmästäni", die sich 210.000 mal verkaufte.

Heute Abend sollte er im Helsinkier Nobelhotel Hotelli Presidentti auftreten. 1984 und 2000 war er in Finnland mit dem Preis für den männlichen Künstler des Jahres ausgezeichnet worden.

Seine Musik war variationsreich und umfasste alles von Schlager (er vertrat Finnland beim ESC 1984) bis Rock.

17. Januar 2007

Post aus Tampere

Der heutige Eintrag kommt aus der südfinnischen Stadt Tampere. Mein Flug war eine gute Stunde verspätet, weil am hiesigen Flughafen irgend etwas mit der Radaranlage nicht in Ordnung war. Die Reise mit dem fast leeren Flieger der SAS-Tochter Blue1 war eine Reise von einem Land ins andere, fast aber auch von einer Jahreszeit in eine andere.

Während Stockholm immer noch auf den Winter wartet und um die Mittagszeit rein gar nichts an die kalte Jahreszeit in diesem Winterland erinnert, sah ich schon beim Landeanflug überall Schnee. Am Wochenende finden hier die finnischen Meisterschaften im Skilanglauf statt und Virpi Kuitunen und all die anderen Stars des sich langsam von der Dopingkatastrophe von Lahti erholenden finnischen Teams werden nicht auf einer von Schneekanonen künstlich präparierten Loipe laufen müssen.

Die Architektur finnischer Städte, mit Ausnahme von Helsinki, ähnelt sich sehr. Durch Brände geschädigt und vom Geist der 60er Jahre geprägt, stehen in den finnischen Mittelstädten à la Turku und Jyväskylä, Kuopio und Tampere rechteckige Blocks, die leider wenig Charakteristisches ausstrahlen. Austauschbarkeit. Das soll aber nicht heißen, dass es nicht sehr schöne Plätze geben kann. Tampere hat viele Parks, aber es ist eine alte Industriestadt, das finnische Manchester wird es bisweilen genannt.

Und hier heißt das Zahlungsmittel Euro. Gottlob hatte ich 20 € in der Brieftasche, denn am Flughafen fehlt ein Geldautomat. Knapp 40 Minuten dauerte die Fahrt mit dem Linienbus 61, kostete aber immerhin lediglich 4,30 €.

Als ich ankomme im Zentrum ist es schon dunkel. Wie immer habe ich irgendwas vergessen, einen Gürtel, also hole ich mir einen bei der Warenhauskette Anttila. Mache einen Abstecher in die CD-Abteilung, um zu schauen, ob ich eine CD der finnischen Hardrockband Apulanta (zu Deutsch: Dünger) günstig ergattern kann. Und was spielt man in der Abteilung: Völkerball von Rammstein. Die Finnen sind Rammstein-Fans, das passt zu unserem Geschmack, sagte mir ein Finne.

Morgen schaue ich mir die Stadt auch mal bei Tageslicht an und dann gibt es einen kleinen Tagesbericht hierzu.