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30. Juli 2007

Stockholm will Kaninchen ausrotten


Die Stadt Stockholm hat genug von den wilden Kaninchen in den Parks. Jetzt soll grossangelegt Jagd auf die kleinen braunen Nager gemacht werden.

Tommy Tuvunger schiesst mit seinem Arbeitskollegen jährlich einige tausend Kaninchen. Toller Job.

Magnus Björkman, der bei der Stadtverwaltung arbeitet, gibt unumwundern zu, dass man die Kaninchen in der Innenstadt gerne ausrotten möchte.

Kaninchen vermehren sich nun mal wie die Kaninchen und richten in grösserer Zahl beträchtliche Schäden in den Parks der Stadt an.

Ich habe gestern aus meinem Fenster einen Rehbock gesehen. Liebe Stadtverwaltung, lasst bitte wenigstens den weiterleben!

28. Juli 2007

Tall Ships Race


In Stockholm gastieren in diesen letzten Tagen des Sommermonats Juli allerlei Segelschiffe aus der ganzen Welt. Sie nehmen am "Tall Ships Race" teil.

Für eine Landratte wie mich und für viele Mitbewohner der Stadt und die meisten Touristen, die Stockholm zur Zeit bevölkern, vor allem ein optischer Reiz, die teils sehr alten Schiffe in unmittelbarer Umgebung der alten Gebäude zu sehen.

Auf dem Bild, das ich heute Morgen auf dem Weg zu Slussen aufnahm, ein griechischer Viermaster und die Silhouette der Altstadt an der Skeppsbron.

24. Juli 2007

Öl på Kvarnen

Tradtionsrika restaurangkrog Kvarnen på Södermalm i Stockholm får fortsätta servera öl och andra alkoholiska drycker till sina gäster. Det har Länsrätten beslutat och går därmed emot Stockholms stad som ville dra in licens för alkoholservering.

Jag kan inte detaljerna i fallet och jag bryr mig inte riktigt, men jag har varit flera gånger på Kvarnen och det är ett av de få ställen i Stockholm med atmosfär och känsla. Det är Hammarbyfansens gamla krog, det är stort och hyggligt och de serverar mycket bra svensk mat, inte heller lätt att hitta i en djungel av mest oigenkännliga blandrätter.

Jag är nöjd att också på hösten kunna ta en öl på Kvarnen.

2. Juli 2007

Zeugen in Angst - Rechtssicherheit in Schweden akut gefährdet

Ein beispielloser Fall. Und doch Beispiel für viele andere.

In der Neujahrsnacht wird im Stockholmer Vorort Hägersten nach Streitigkeit ein 24-Jähriger Mann getötet. Es gibt mehrere Zeugen, darunter eine 24-Jährige Frau. Von Beginn an gibt es Drohungen gegen die Zeugen, die bereit sind, gegen die Tatverdächtigen auszusagen.

Die 24-Jährige Frau wird im April überfallen und misshandelt. Die Polizei gewährt ihr daraufhin Zeugenschutz, kommt aber nach wenigen Wochen zu der Erkenntnis, dass keine Gefahr mehr besteht. Die Zeugin hat jedoch weiterhin Angst und flüchtet auf eigene Kosten und ohne Schutz ins Ausland. Als ihr das Geld ausgeht, muss sie zurückkommen. Keine 48 Stunden später wird die Frau überfallen und schwerstens misshandelt, als sie mit ihrer 4-Jährigen Tochter am hellichten Tag einen Park besuchen will. Die beiden Angreifer schreiben ihr das Wort "död" (Tod) auf den Rücken und können unerkannt flüchten.

Der Schutz von Zeugen, die bereit sind, gegen kriminelle Gewalttäter auszusagen, ist in Schweden nahezu unbedeutend. Drohungen und Gewaltakte gegen Zeugen von Kapitalverbrechen sind in den letzten Jahren um mehrere Hundert Prozent gestiegen.

Eine Gesellschaft, die nicht willens oder in der Lage ist, ihre Bürger vor solchen Aktionen zu schützen, muss sich fragen lassen, wie es um die Rechtssicherheit bestellt ist.

Polizei und Justizbehörden müssen die Verantwortung übernehmen und ihr Möglichstes tun, dass Gewaltverbrecher dahin kommen, wo sie hingehören: Hinter Schloss und Riegel.

In Schweden hat sich die Rechtssicherheit verabschiedet.

2. Mai 2007

Jugendkrawalle auf Söder

Rund 50 Jugendliche wurden heute Abend von der Polizei auf Södermalm festgehalten, nachdem sie mehrere Schaufenster von Zinkensdamm bis Hornstull eingeworfen hatten. Viele der Jugendlichen sollen unter 14 Jahre sein. Näheres ist noch nicht bekannt.

28. März 2007

Unbeliebte Stockholmer

Man kennt das aus anderen Ländern. Die Hauptstadt ist bei den Bewohnern anderer Regionen eines Landes nicht immer ein Grund des Stolzes und der ungetrübten Zuneigung.

Fragt mal einen Bergenser, was er über Oslo denkt oder einen Turkuer, welche Stadt die erste Hauptstadt Finnlands war und wundert euch nicht, dass die Region um Turku "Varsinais Suomi" (Eigentliches Finnland) heisst.

Die Hauptstädter entgegnen dieser Ablehnung nicht selten mit grosstädtischer Arroganz. Die Wolfsgrenze, so erzählen Bewohner von Helsinki gerne, beginnt mit dem dritten Autobahnring, der Helsinki umgibt, mit anderen Worten, die Zivilisation ist da zu Ende.

Schon 1987 (Verdamp lang her, BAP) erzählten mir Bergführer an der Kebnekaise Fjällstation in Lappland, dass man ungefähr acht Stunden brauche, um den Gipfel on Schwedens höchstem Berg zu erreichen. Stockholmer würden dies allerdings in 10 Minuten schaffen, denn sie liessen sich mit dem Hubschrauber rauffliegen.

In Skåne begegnete ich erstmals dem Ausdruck 08-orna, die 08er, eine kollektive Bezeichnung für alle Hauptstädter, die immer alles besser wüssten, arrogant seien und so weiter. Ein 08:er zu sein ist nicht schmeichelhaft. Zwar entgeht den lieben Menschen dabei, dass es auch im 08-Gebiet ziemliche Unterschiede gibt zwischen den Villen von Danderyd oder Täby und den eher trostlosen Vororten wie Fittja oder Tensta, aber das ist den Schmähern egal.

Nun gibt es den ersten dokumentierten Fall eines Stockholmers, der sich um einen Job in Skåne bewarb und nicht genommen wurde weil - ja weil er Stockholmer ist.

Magnus Ahlin wollte sich als IT-Berater im schönen Lund niederlassen, aber der Personalchef war der Ansicht, seine Art zu schreiben und zu reden sei zu "stockholmerisch" und das würde bei den Kunden in Lund und um Lund herum einfach sehr schlecht ankommen.

Der Personalchef Linus Magnusson, selbst Stockholmer, aber nach eigener Aussage einer, der sich sehr bemüht, in der schonischen Bevölkerung nicht als solcher entdeckt zu werden, schrieb sogar an Magnus, dass "Stockholmer" in SKåne für viele Leute ein Schimpfwort sei. Statt "Du Idiot!" also "Du blöder Stockholmer."

Ich will nicht auf den nie endenden Streit zwischen Göteborg und Stockholm eingehen. Göteborg sieht sich grundsätzlich als die Vorderseite Schwedens und Stockholm ist sozusagen der Po...

Als Ausländer im Stockholmer Gebiet habe ich es da leichter. Wenn ich dem Taxifahrer in Skåne sage, dass ich aus Stockholm komme, bemerke ich, wie er unweigerlich zusammenzuckt und mir wird klar, wenn ich an mein Ziel gelangen will, dann muss ich jetzt mit starkem deutschem Akzent weitersprechen. Dann, nur dann, wird mir die 08, die man auf meiner Stirn sieht, verziehen.

12. Februar 2007

Auf dem Weg zur Arbeit

Stockholm ist eine Großstadt. Stockholm ist eine Weltstadt. Manchmal zumindest, wenn Nobelpreise verliehen werden oder ein König 60 wird.

Die U-Bahnlinien ziehen sich wie grüne, rote und blaue Adern durch den Körper der schwedischen Hauptstadt. T-Centralen ist das Herz, das jeden Tag mehrere Hunderttausend Reisende aus Zügen, S-Bahnen, U-Bahnen ausspuckt und wieder aufnimmt. um sie irgendwo im Netz der Haltestellen und Bahnhöfe zu verteilen.

Die Stoßzeiten sind hektisch. Auf den Rolltreppen bleibt kaum jemand stehen, alle scheinen im Laufschritt zu ihren Arbeitsplätzen zu hasten, um nach acht Stunden Arbeit wieder ebenso schnell Richtung Kindergarten, Schule, Fitnessstudio, Theater, Zuhause zu verschwinden.

An den Verkehrsknotenpunkten stehen Männer und Frauen in gelben, grünen und roten Jacken und verteilen drei verschiedene Gratiszeitungen: Metro, Stockholm City und Punkt.se. Fast ein bisschen aufdringlich bekommt man bei T-Centralen, Gullmarsplan, Slussen, Hötorget alle drei Zeitungen zugereicht. Obwohl ich denke, dass der Job nicht unbedingt Erfüllung zu bringen scheint, macht es den Zeitungsverteilern offenkundig Spaß. An manchen Haltestellen steht eine kleine Armee von ihnen und hält sich mit Witzen mit den Reisenden warm, die meist nur die Zeitung entgegennehmen, manchmal aber auch Zeit haben für ein Lächeln oder ein gemurmeltes "Danke", bevor sie auf der nächsten Rolltreppe Richtung Arbeitsplatz entschwinden.

Die Dixie Chicks haben bei der Verleihung der Grammys abgeräumt, lese ich in City. Fünf Preise gewinnt das Country-Trio. Vor zwei Jahren waren die Dixie Chicks von etlichen amerikanischen Radiosendern boykottiert worden, weil sie den Krieg im Irak und den amerikanischen Präsidenten George W. Bush kritisiert hatten. Nun feiern sie Triumphe im öffentlichen Amerika. Auch ein Zeichen für die Wende in den USA, die sich schon bei den Senats- und Kongresswahlen Ende letzten Jahres dokumentiert hatte. Drei Statuen gehen an die unbestrittene Queen des R'n'B. Mary J Blige wurde für ihr Album "Breakthrough" prämiert. Der Song "Be Without You" wurde bestes R'n'B-Stück des Jahres. Ebenfalls empfehlenswert von diesem Album Marys Duett mit Bono beim Cover von U2s "One".

6. Februar 2007

Ausverkauf

Die bürgerliche Stadtregierung von Stockholm will in der laufenden Legislaturperiode einen Großteil der bislang unter kommunaler Regie stehenden Betriebe verkaufen.

In der Stadtverwaltung Stockholms sollen ca. 500 Arbeitsplätze verschwinden. Bürgermeisterin Kristina Axén Olin (m) verspricht sich davon, dass mehr Frauen eigene Betriebe gründen und die Konkurrenz größer wird.

Für die Hauptstadt arbeiten insgesamt rund 46.000 Angestellte. Während der letzten bürgerlichen Mandatperiode in Stockholm zwischen 1998 und 2002 wurden über 1200 kommunale Betriebe privatisiert.

Nun geht der Ausverkauf weiter.

29. Januar 2007

Preiserhöhung: 100%

Ab heute ist es in Stockholm wesentlich teurer, mit einem einfachen Fahrschein in Bussen, U-Bahnen (tunnelbana) oder S-Bahnen (pendeltåg) zu fahren.

Gestern noch 20 Kronen, ab heute 40 Kronen, das sind 100% und acht alte DM und mehr als vier neue €. Egal, ob man eine Haltestelle oder ein paar Kilometer fahren will.

Proteste gibt es schon viele, immerhin kann man auch ab heute ein Ticket per SMS kaufen. Aber auch die kostet ja nochmal extra...

5. Januar 2007

Wohnen in Stockholm

Wohnen in Stockholm und Schweden ist ein Thema für sich. Viele Astrid-Lindgren-Leser aus deutschsprachigen Landen glauben, dass alle Schweden in roten Häusern wohnen und manchmal wird man im Ausland gefragt, ob Elche und Eisbären durch die Straßen der Hauptstadt laufen würden. Hier kommt nun die Antwort: Nein. Nein. Weder noch.

Auch die neun Millionen Einwohner des größten der nordischen Länder wohnen in der Mehrheit in Wohnungen in mehrstöckigen Häusernn. Das System des Wohnens allerdings ist völlig anders, als man es in Radolfzell, Eisenhüttenstadt oder Reit im Winkl gewohnt ist.

Es gibt Mietwohnungen, Wohnungen mit sogenanntem Dauerwohnrecht (bostadsrätt), Häuser mit Dauerwohnrecht und daneben Eigenheime. Thomas Marquart hat das in seinem Schweden-Blogg "Fiket" ganz richtig beschrieben und deshalb begnüge ich mich hier mit einem Link auf seinen Post: http://www.fiket.de/2006/05/28/wort-der-woche-bostadsraett/.

in fast allen Gemeinden gibt es kommunale Wohnungsgesellschaften, die die vergleichsweise wenigen Mietwohnungen verwalten und vermitteln. Um eine Mietwohnung zu bekommen, schaut man nicht wie in Deutschland am Wochenende in die lokale oder regionale Tageszeitung, man trägt sich in die kommunale Wohnungsschlange ein. In Stockholm ist die Seite unter www.bostad.stockholm.se zu finden. Jährlich zahlt man hier 275 Kronen (etwa 30 Euro) ein und kann so Wohnungen "buchen". Je länger man Mitglied der Wohnungsschlange ist, desto aussichtsreicher die Chancen, tatsächlich eine begehrte Mietwohnung zu ergattern. Die Schlangen allerdings sind enorm. Für Wohnungen in der Stockholmer Innenstadt ("inom tullarna") sollte man wenigstens 10-12 Jahre Wartezeit auf dem Buckel haben, um eine winzige Chance zu haben. Auch in den Außenbezirken und Vorortgemeinden geht es bei den Schlangen wenigstens um einige Jahre Wartezeit.

Da viele nicht so lange warten können, aber kein Geld haben, um sich ein Dauerwohnrecht kaufen zu können, blüht der Mietmarkt in sogenannter 2. Hand. Jemand hat ein Dauerwohnrecht oder eine Mietwohnung und vermietet sie weiter. Jemand hat einen Mietvertrag erster Hand und verkauft ihn "schwarz" für ca. 5.000 € pro Zimmer weiter an einen Interessenten. Dieser letzte Deal ist illegal und im Falle der Aufdeckung verliert der Neueingezogene seine Wohnung und das schwarz gezahlte Geld ist wahrscheinlich auch futsch.

In Stockholm wechselt die politische Macht im Rathaus gewöhnlich alle vier Jahre. Die Wähler sind unzufrieden, man könnte auch behaupten, die Probleme der Stadt seien so vielfältig, dass die Stadt unregierbar ist und man es dem Wahlvolk nicht recht machen kann, da immer unpopuläre Entscheidungen zu treffen sind.

Sozialdemokratin Annika Billström, die von 2002-2006 an der Macht war, verdarb sich die Sympathien ihrer Wähler dadurch, dass sie einmal trotz gegenteiliger Ankündigung im Wahlkampf Mautgebühren für die Ein- und Ausfahrt in die Stadt einführte, um ihren kleinen grünen Koalitionspartner ins politische Bett zu bekommen und zum anderen zeichnete sie sich innerparteilich durch einen selbstherrlichen Führungsstil aus. Auch nach der Wahlniederlage im September 06 wollte Billström weitermachen, aber die Partei wollte sie nicht mehr und setzt jetzt Karin Jämtin an die Spitze der Opposition.

Von 1998-2002 regierten die bürgerlichen Parteien in der Stadt. Während dieser Jahre wurden tausende von Mietwohnungen in der Innenstadt in "Dauerwohnrecht"-Vereine umgewandelt.

Die Folge: Immer weniger Menschen mit niedrigeren Einkommen können es sich leisten, in der Innenstadt zu wohnen. Denn wenn aus einer Mietwohnung eine Wohnung mit Dauerwohnrecht wird, muss man dafür einige Hunderttausend Kronen auf den Tisch blättern. In der Regel ist das ein Preis, den man gemessen am Marktwert als günstig bezeichnen kann, aber viele können sich es dennoch nicht leisten und sind einfach nicht kreditwürdig genug bei den Banken.

Die Umwandlung von immer mehr Wohnungen vertreibt somit sozial Schwächere aus der Innenstadt in die Trostlosigkeit der sozialen Brennpunkte der Vororte. Nun ist seit Herbst 2006 wieder eine Koalition bürgerlicher Parteien an der Macht und der Ausverkauf der Mietwohnungen wird wohl wieder aufgenommen.

Dabei ist zu erwähnen, dass sozialdemokratische Politiker und Politik zwar gegen die Umwandlungen sind, sich aber als Privatpersonen durchaus gern an den Geschäften beteiligt und bereichert haben. Jüngstes Beispiel dafür ist, dass die ehemalige Außenministerin Laila Freivaldts ihre Wohnung im Stadtteil Kungsholmen, aus dem ich gerade diesen Post schreibe, verkauft hat und einen Gewinn von schlappen 370.000 € einfährt.

Noch gibt es in Stockholm 18.957 Wohnungen, die der Gemeinde gehören. Die konservative Svenska Dagbladet schreibt heute über "Das große Spiel um die Mietwohnungen". Wenn wie zwischen 1998-2002 erneut ca. 12.000 Wohnungen umgebildet würden, bliebe kaum noch etwas übrig am Ende der Legislaturperiode. Kristina Alvendal (M = Moderata Samlingspartiet) ist zuständig für Wohnungspolitik in Stockholm. Sie behauptet, dass in den nächsten Jahren vor allem in den Vororten Stockholms, z.B. Hässelby, Vällingby, Skärholmen, Tensta und Rinkeby, letztere drei mit sehr hohem Anteil ursprünglich ausländischer Bevölkerung, Wohnungen umgewandelt würden und so vieles zur Integration von Einwanderern getan werden könnte.

Nun ist es so, dass niemand direkt gezwungen werden kann, seine Mietwohnung zu verlassen, wenn er sich nicht leisten kann, die Wohnung als Dauerwohnrecht zu erwerben, aber es gibt andererseits einen großen Druck der Nachbarn, die nicht unbedingt in ihrem neu gegründeten Verein Mieter haben wollen.

Das Spiel um die Wohnungen in der Stockholmer Innenstadt und nicht nur da wird ein Thema in den kommenden Jahren sein und es wird hier weiter beobachtet werden.

4. Januar 2007

Alltag 1: Chaos in der Tunnelbana

Seit ich in Schweden lebe, habe ich in der Stockholmer U-Bahn, sinnigerweise "tunnelbana" in der Landessprache genannt, schon ein paar Tausend Kilometer zurückgelegt. Das U-Bahnsystem ist weitgehend übersichtlich, es gibt eine rote, eine grüne und eine blaue Linie. Einige Stationen sind künstlerisch veredelt und es gibt sogar ein Buch über die Gestaltung der unterirdischen Bahnhöfe.

Die größten Entfernungen bietet die grüne Linie. Von Hässelby Strand im Nordwesten der Stadt bis nach Farsta Strand oder Hagsätra kann man gut eine Stunde in den nun überwiegend neuen Waggons sitzen.

Die Stockholmer zahlen gegenwärtig 600 Kronen im Monat für das Ticket, das sie berechtigt, alle S-Bahnen, U-Bahnen und Busse des Nahverkehrssystems SL (Storstockholms Lokaltrafik) zu benutzen. Das ist, verglichen etwa mit der drittgrößten Stadt des Landes Malmö, ein Spottpreis, den die neue bürgerliche Stadtregierung kurz nach Antritt im Herbst denn auch gleich zu erhöhen versprach.

So alt wie das System der farbigen Linien sind aber auch die Klagen und Plagen, denen die Reisenden ausgesetzt sind. Heute Morgen war es denn dann auch mal wieder so weit. Insbesondere auf der roten Linie saßen Passagiere in den Tunneln des weitverzweigten Systems fest, nachdem ein Stromausfall dafür sorgte, dass buchstäblich nichts mehr ging. Wieder einmal kamen zehntausende Stockholmer zu spät zur Arbeit, Kinder zu spät in die Kindergärten oder in die Freizeitheime der Schulen, die erst nächste Woche wieder Lernstoff an die Kleinen vermitteln.

Wie gewöhnlich ließ die Information der Reisenden zu wünschen übrig. Begriffe wie "Waggonfehler" (vagnfel), Türfehler ("dörrfel), Signalfehler ("signalfel") und Wasweißichfehler ("vadvetjagfel") sind längst Bestandteile des Stockholmer Wortschatz.

Wie anders war das doch in Moskau, wo die Züge im Winter zwar nicht beheizt waren, aber mit der Genauigkeit eines Schweizer Uhrwerks alle 2 Minuten donnernd in die tief gelegenen Stationen hereinbrausten. Man kann nicht alles haben und die Mails, die nun auf mich einströmen und "Dann geh doch nach Moskau!" als Schlussreplik enthalten, gedenke ich nicht zu beantworten.

Zu den Zeiten, als es noch Winter in Stockholm gab, brach der Verkehr regelmäßig zusammen, als wäre hier noch niemals Schnee gefallen. Im Herbst, wenn die Blätter von den Bäumen fielen, gibt es immer wieder Verspätungen aufgrund von "Blätterglätte" (lövhalka).