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15. Oktober 2007

Aus für religiöse Freischulen

Die schwedische Regierung plant ein weitgehendes Verbot religiöser Ausrichtung von Freischulen. Das teilte Schulminister Jan Björklund gestern mit.

Björklund ist Vorsitzender der liberalen Volkspartei und Schulpolitik war einer der wichtigsten Gründe für die Abwahl der sozialdemokratischen Regierung im vergangenen Jahr.

Björklunds Parteifreundin, Integrationsministerin Nyamko Sabuni, hätte gerne religiöse Freischulen verboten. Ihr warf jedoch der sozialdmokratische Debatteur Kurdo Baksi vor einigen Wochen Islamophobie vor.

In einem Artikel in Dagens Nyheter werden jedoch islamische Freischulen nur in einem Nebensatz erwähnt, auch wenn die politische Entscheidung vor allem ihnen gelten dürfte.

Zitiert wird dagegen eine Schule der sogenannten Plymouthbrüder, einer christlichen Sekte, die unter anderem Fernsehen, Radio, Mobiltelefone, Belletristik und vieles mehr verbietet.

In Smålandsstenar leben die meisten Plymouthbrüder in Schweden und dort wurde auch die Laboraskolan gegründet, die von Anfang an landesweites Aufsehen erregte. So bezeichnete die sozialdemokratische Vorsitzende Mona Sahlin die ideologische Grundlage der Schule als "abscheulich". Dagens Nyheters Kulturchefin Maria Schottenius forderte ein Verbot der Schule durch Major Björklund.

Verteidigt wird die Schule jedoch von der christdemokratischen Partei Schwedens. Ein Lokalpolitiker der Kristdemokraterna bezeichnet auf der Webseite der Partei (siehe Link) die Schule gar als eine Bullerbü-Schule, in der keine religiöse Indoktrinierung stattfinde. Alle Lehrer seien "Heiden" gemäss des Glaubens der Plymouthbrüder, die laut dem Autor "ehrenwerte und anständige" Menschen sind, obwohl er niemanden von ihnen persönlich je getroffen hat.

Unter den Nazis wurden Plymouthbrüder verfolgt. Die meisten leben in den USA und Kanada, sie sind davon überzeugt, dass Jesus auf die Erde zurückkehrt.

Das erwartete Verbot der Regierung dürfte jedoch vor allem den muslimischen Freischulen in Schweden gelten. Vor kurzem hatte eine Meinungsumfrage ergeben, dass jeder zweite Schwede für ein Verbot des Schleiers ist.

9. September 2007

Schwedische Tradition: "Nollning"

In Schweden wird oft das "typisch Schwedische" in einer sich immer mehr globalisierenden Welt diskutiert. Mittsommer, Erdbeeren, der Sommer, rote Holzhäuser, IKEA, das gleichberechtigste Land der Welt mit dem besten Leitungswasser des Planeten - solche Themen tauchen in den Zeitungen auf.

Etwas typisch Schwedisches ist aber auch die sogenannte "Nollning", das "Nullstellen" von Schülern, die von der Grundschule aufs Gymnasium wechseln oder vom Gymnasium an die Universität.

Dabei denken sich etwa die Zweitklässler auf dem Gymnasium (11. Klasse in Deutschland) immer wieder möglichst "lustige" und in den vergangenen Jahren eher demütigende Peinlichkeiten aus, um die Neuankömmlinge (10. Klasse) so richtig willkommen zu heissen.

Oft zwingt man die Neuen, sich besonders viel Alkohol einzuflössen. Die sechzehnjährige Anna wäre vergangenen Freitag beinahe bei ihrer "Nollning" gestorben.

Die Schüler des Gymnasiums Norra Real wurden von den ein Jahr älteren losgeschickt, um möglichst viele Tabletts aus Restaurants "zu besorgen". Wer nach der Meinung der Elftklässler zu wenig Tabletts brachte, musste sich im Gesicht bemalen lassen und grössere Mengen hochprozentigen Alkohol trinken.

Anna zog sich dabei eine schwere Alkoholvergiftung zu und wurde mit 3,0 Promille und einer stark herabgesetzten Körpertemperatur gottlob von Passanten gefunden. Die anderen Jugendlichen hatten die 16-Jährige einfach liegen gelassen. Nach Auskunft der Ärzte wäre sie tot, wenn sie später gefunden worden wäre.

Die Mutter Annas erstattet nun Anzeige gegen das Gymnasium, das Gymnasium seinerseits will die schuldigen Jugendlichen strafrechtlich belangen.

Der Fall Annas ist nur die Spitze des Eisbergs. Das sich ansonsten gern so zivilisiert gebende Schweden lässt seit Jahren zu, dass Jugendliche andere Jugendliche bis weit über die Grenzen des Geschmacks und der persönlichen Integrität kränken und wie im vorliegenden Fall sogar körperlichen Schaden zufügen.

Mich erinnert das an die "Dedowtschina" in Russland, dem System des Militärs, in dem die Dienstälteren die neuen Rekruten ebenfalls demütigen, misshandeln und bisweilen sogar töten.

Gewiss unterscheidet sich Russland von Schweden in dieser Hinsicht durch noch grössere Brutalität und Rücksichtslosigkeit, aber das "Nullstellen" von 16-Jährigen ist kein Ruhmesblatt für Schweden. In der Tat kommt den Schulen hierbei eine wesentliche Verantwortung zu. Alle wissen, dass die Elftklässler sich Jahr für Jahr immer neue Tricks ausdenken, um an geheim gehaltenen Orten die neuen Zehntklässler mal so richtig schön einzuweihen.

Aber eine Gesellschaft, die dies zulässt und nicht in der Lage ist, ihren Kindern den Respekt vor der körperlichen und psychischen Unversehrtheit seiner Mitbürger beizubringen, hat ein Problem.

Der Rektor von Norra Real hat bemerkt, dass er die Schuldigen im Fall Anna nicht von der Schule verweisen darf, das widerspricht den Gesetzen und Regeln. Auch das ist ein Problem. Denn Schüler, die ein 16-Jähriges Mädchen mit schwerer Alkoholvergiftung einfach liegen lassen, muss klar gemacht werden, dass sie die Grenzen weit überschritten haben. Und das geht nur über Sanktionen, wenn Gespräche nicht mehr helfen. Gespräche werden schon seit Jahren geführt und jedes Jahr liest man von erschreckenden Fällen von "nollning".

NACHTRAG: Auch Svenska Dagbladet widmet sich dem Problem. Nach Angaben von Polizeisprecher Jonas Elling werden die Erniedrigungen von Jahr zu Jahr schlimmer und der Alkoholkomsum grösser. Am Wochenende habe man daher speziell nach solchen Aktionen gesucht.

In der Nacht zum Samstag kam die Polizei zu einem solchen "Fest" im Vitabergsparken auf Södermalm. Mehrere Jugendliche waren völlig alkoholisiert. "Trink! Trink, du Schwein!" hätten Jugendliche jüngeren Schülern zugerufen. Als die Polizei auftauchte, rannten sie davon. Die Polizei schüttete acht Liter Wodka und 70 Dosen Bier und 12 Liter Wein aus.

Die Schüler waren vom Internationalen Gymnasium aus Liljeholmen. Am Montag wird sich die Rektorin mit der Angelegenheit befassen dürfen.

Jonas Elling: "Das ist ein Gesellschaftsproblem. Eltern, Polizei, Schule und Sozialam müssen zusammenarbeiten."

Leider liest man das jedes Jahr und nichts ändert sich.

13. Juli 2007

Islamische Freischule: Vier Klassenlehrer hören auf

Vier Klassenlehrer der Klassen 1-5 an der Al-Mustafa-Schule in Järfälla haben aufgrund unerträglicher Arbeitssituationen ihre Jobs aufgegeben. Gestern stand Schulbetreiber Kamal Moubadder wegen seiner Befürwortung der Sharia-Gesetze in den Medien.

Die Lehrer durften unter anderem nicht über Sexualkunde sprechen, wie in schwedischen Schulen normalerweise obligatorisch.

"Ich konnte nicht dazu stehen, was die Betreiber der Schule von uns wollten," sagte einer der Lehrer. Staffan Kihlström berichtet in einem Artikel in Dagens Nyheter, dass der reluigiöse Druck der Eltern der Kinder sehr gross sei. So sei beispielsweise üblich, dass Mädchen ab der dritten Klasse Schleier tragen müssten.

Ein Lehrer berichtet, dass die Kinder sehr isoliert lebten und eigentlich keinen Kontakt mit der schwedischen Gesellschaft bekämen, was auch nicht von den Eltern erwünscht sei.

Betreiber der Schule ist die ASIP Skola AB, eine Aktiengesellschaft, die ihre Post unter c/o Moubadder erhält. Die schwedische Schulbehörde Skolverket hatte schon 2003/2004 auf mehrere Mängel an der Schule aufmerksam gemacht.

So kritisierte Skolverket, dass viele Lehrer keine schwedische Lehrerausbildung hätten und dass die für das schwedische Schulwesen grundlegenden Dokumente den Lehrern zu wenig bekannt seien. Skolverket hatte auch bemängelt, dass zentrale Momente in den praktisch-ästhetischen Fächern nicht gelehrt würden. Ein weiterer Kritikpunkt galt en Kriterien für Notengebung, die in mehreren Punkten mit den national festgelegten Kriterien nicht übereinstimmten.

Die Schulleitung und die Schulbetreiber haben daraufhin Massnahmen ergriffen, um den Mängeln abzuhelfen.

Doch Moubadders radikale Auslegung des Koran und seine Auffassung, dass ein gläubiger Muslim die Gesetze Allahs vor die Gesetze der Menschen stellen müsse, gibt Befürchtungen Anlass, dass genau dies den Kindern an der Al-Mustafa-Schule eingebläut wird. Skolverket hat eine neuerliche Prüfung angekündigt, die noch vor dem Ende der Ferien fertig sein soll.

12. Juli 2007

Schwedischer Schulbetreiber für Sharia-Gesetze

Kamal Moubadder ist einer von zwei Betreibern einer arabisch-islamischen freien Schule in Järfälla, nördlich von Stockholm. 1992 schrieb Moubadder ein Büchlein mit dem Titel "40 Fragen zum Islam", in dem er sich vorbehaltlos zu den Gesetzen der Sharia bekennt.

Dazu gehört die körperliche Verstümmelung von Dieben, die Todesstrafe für Untreue in der Ehe und vieles mehr.

Moubadder erklärte nun Dagens Nyheter gegenüber, er wolle die Gesetze niht in Schweden einführen, eine Ausnahme gäbe es allerdings: wenn das schwedische Volk in freien Wahlen für die Sharia sei.

Die Al-Mustafa-Schule in Järfälla hat pro Woche zwei Stunden Arabisch und eine Stunde Islam auf dem Stundenplan.

Moubadder, der früher auch Rektor der Schule war, ist nun von einer Privatperson wegen Verstosses gegen die demokratischen Prinzipien des Lehrplans für die schwedische Grundschule angezeigt worden. Er selber sagte, er habe das Buch 1992 geschrieben, distanziert sich aber in keinster Weise von dem einstmals Geschriebenen.

Kvintus hat in dem im Internet veröffentlichten Buch gelesen und macht darauf aufmerksam, dass Moubadder ausführt, dass Demokratie eine Herrschaftsform sei, die vom Volk ausgeht, während Islam eine Herrschaftsform sei, die von Gott ausgehe. Derjenige, der in einer von Gott gesteuerten Gesellschaft regiere, habe immer die Verantwortung Gottes Wille einem eventuell anders gelagerten Mehrheitswillen durchzusetzen. Mit Demokratie hat das wenig zu tun.

Personen wir Moubadder heizen Fremdenfeindlichkeit unter einer breiteren Allgemeinheit in Schweden und nicht nur da weiter an. Aber die Frage, wie man mit Fundamentalisten umgehen soll, von denen es mehr gibt, als viele von uns glauben mögen, stellte sich auch im Alltäglichen, in der Umgebung der Schule in Järfälla etwa. Welche Philosophie wird den Schülern im Arabisch- und Islamunterricht mitgegeben? Ein Bekenntnis zur schwedischen Demokratie oder doch eher ein Plädoyer für Keuschheit, Zucht und Ordnung im Sinne des Schulbetreibers Moubadder? Wo kommen die jungen Menschen in unseren Gesellschaften her, die hier geboren werden, aufwachsen und irgendwann bereit sind, nach Bagdad in den Kampf zu ziehen oder sich mit Sprengstoffgürtel in einer Londoner U-Bahn in die Luft zu jagen, um sofort in den Himmel gebeamt zu werden, wo 99 Jungfrauen auf sie warten? Wo hört demokratische Meinungsfreiheit auf, wo beginnt der Hass? Fragen, auf die kaum jemand eine Antwort hat.

Die schwedische Schulbehörde Skolverket muss sich nun dem Fall annehmen, denn der Lehrplan der Grundschulen in Schweden ist ein Dokument, das für alle Schulen, auch die von Herrn Moubadder verbindlich ist - und nach dem Lehrplan sollen alle Kinder zu toleranten, demokratischen Bürgern erzogen werden und Jungen und Mädchen sind gleichberechtigt und vieles mehr, was Herrn Moubadder möglicherweise nicht in den Kram passt.

3. Mai 2007

Björklund pressar eleverna till prov, prov, prov

Skolminister Jan Björklund (fp) vill att grundkolornas elever fr o m 2011 ska skriva prov i alla 14 ämnen.

Bra med förslaget är ju att man skulle kunna jämföra kunskapsresultat på ett bättre sätt. Som vanligt får förslaget stöd av Lärarnas Riksförbunds Mette Fjelkner som är en trogen anhängare av den borgerliga regeringen. Dagens läge är att man till exempel i olika Stockholmstidningar kan läsa betygsstatistik en gång per år och sedan se en rankning av skolorna som jag alltid har betraktat mycket tveksamt.

Den listan skulle kunna bli mer rättvis och tydlig. Kanske blir betyg mer rättvis. Å andra sidan vet dem som någon gång har jobbat med skolor och prov att ett prov alltid ger ett resultat av en prestation som visar hur en elev har presterat mellan t.e. kl. 10-12 en torsdagförmiddag. Den bevisar i stort sett inget om kunskapen verkligen har fastnat.

Vänsterns kritik av t.e. Rossana Dinamarca (v) är befogad när hon säger att den borgerliga regeringen verkar mer för sortering och utgallring av elever än att på riktigt lösa skolans generella problem.

Också fortbildningssatsningen Lärarlyft som presenterades för drygt två veckor sen har en bra grund, oavsett att det bara är en nyupplaga av någonting som den socialdemokratiska regeringen genomförde på 60-talet. Det var på tiden att satsa på fortbildning. Dock tycker jag att även detta kommer för snabbt och är lite väl ogenomtänkt.

Universiteterna och högskolorna ska genomföra ämnesfortbildningarna fr o m årsskiftet. Jag vågar betvivla att alla högre utbildningssäten i landet är väl förberedd för det.

Det vad regeringen underlåter att göra är att göra en insats för att höja statusen för läraryrket. Det måste bli attraktiv igen att bli lärare. I grannlandet i öst är en lärare en mycket väl ansedd person. Många finländare söker sig till lärarutbildningar. När man tittar på statistik hur många lärarstudenter vi har i Sverige i språk som franska, tyska och spanska ser man skrämmande siffror. Det finns bara ett fåtal studenter i dessa ämnen landet runt.

Lönerna är dåliga för lärare. De studerar flera år på universiteten, får stora studieskulder, men ingen utdelning.

Och då hjälper det inte om Jan Björklund ger lärarna rätt att beslagta mobiltelefoner eller att de ska sätta betyg mycket tidigt och genomför prov i alla ämnen.

Det behövs mer resurser för skolan: pengar, tjänster OCH hjälp till elever med behov av särskilt stöd. Det är ingen mening att sortera ut elever som har inlärningsproblem med hjälp av betyg. De ska få all den hjälp dem kan få. Om allt detta beaktas kan Sverige om några år åter igen ha en av världens bästa skolor.

21. April 2007

Aus- und Fortbildung für Lehrer

Gestern morgen sah ich im Internet die Pressekonferenz von Bildungsminister Lars Leijonborg und Schulminister Jan Björklund über das Programm "Lärarlyft" der schwedischen Regierung.

Bis 2010 will man insgesamt 3,5 Milliarden Kronen in die Aus- und Weiterbildung von Lehrern investieren. Die staatliche Schulbehörde Skolverket erhält den Auftrag, dieses Programm zu administrieren.

Lehrer können sich ab Anfang 2008 ein Semester lang vom Schuldienst beurlauben lassen und bei einem Gehalt von 80% an einer Universität oder Hochschule ihre pädagogische und fachdidaktische Kompetenz auf den neuesten Stand bringen.

In Zukunft will man untersagen, dass an den Schulen des Landes Lehrer ohne formale Ausbildung angestellt werden. Die Zahl der unausgebildeten Lehrer ist relativ hoch, allerdings muss man berücksichtigen, dass die meisten unausgebildeten Lehrer in den berufsvorbereitenden Zweigen des Gymnasiums tätig sind. Es sind oft durchaus Fachkräfte, die angehende Friseusen, Köche und KFZ-Mechaniker unterrichten, ihnen felt aber die pädagogische Ausbildung hierfür.

Grundsätzlich ist die Initiative zu begrüssen, denn Fortbildung ist ein wichtiges Gut in einer Gesellschaft, die im Wesentlichen auf Wissen zur Erhaltung und Vermehrung des Wohlstands angewiesen ist. In Deutschland hat es in dieser Richtung auch die eine oder andere Novelle gegeben, Fortbildung dort ist aber oft noch aus der eigenen Tasche zu bezahlen und findet demnach nicht statt in einem System, in dem man als beamteter Lehrer ohnehin ausgesorgt hat.

Hier nähern wir uns einem wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Ländern. Der Lehrerberuf in Schweden ist sehr schlecht bezahlt. Nach einem jahrelangen Studium, das fur viele erhebliche Studienschulden, die verzinst werden, mit sich bringt, arbeiten viele Lehrer mit Gehältern zwischen 20 und 25.000 Kronen brutto. Zwar ist neuerdings ein Trend zu verzeichnen, das viele Gemeinden höhere Eingangsgehälter zahlen - das Lebenseinkommen eines Lehrers ist aber vergleichsweise gering. Es gibt wenig Anreize.

Im Segment der Fremdsprachenlehrer hat das dazu geführt, dass man die angehenden Deutsch- oder Französischlehrer im ganzen Land an wenigen Händen abzählen kann. Besser sieht es für Englisch aus, aber auch hier haben manche Universitäten Einbrüche von bis zu 50% zu verzeichnen.

Mit anderen Worten: Es genügt nicht, allein auf die Aus- und Weiterbildung zu setzen. Das grösste Zukunftsproblem der schwedischen Schule wird der zu erwartende Lehrermangel sein - wenn es kaum noch Studenten gibt, die die formalen Qualifikationen für den Lehrerberuf erwerben, schneidet man sich mit dem Verbot der Anstellung von unausgebildeten Lehrern ins eigene Fleisch.

Leijonborg und Björklund sollten alles tun, um den Beruf attraktiv zu machen. Das geschieht im Wesentlichen durch die Vergütung. Es genügt beileibe nicht, Lehrern zu erlauben, Mobiltelefone von Schülern zu beschlagnahmen oder im ersten Schuljahr wie in Stockholm bereits notenähnliche Beurteilungen schreiben zu dürfen.

29. Januar 2007

Noten schon ab Klasse 1

Schulminister Jan Björklund (fp) kündigte an, dass Schüler ab Klasse 1 möglicherweise schon ab dem kommenden Schuljahr im Herbst notenähnliche Beurteilungen bekommen könnten.

Alle drei Lehrergewerkschaften äußerten Kritik an dem Vorschlag. Denn es ist den Gemeinden, die in Schweden Schulträger sind, überlassen, ob und wie sie den Vorschlag umsetzen.

Metta Fjelkner, Vorsitzende der Gewerkschaft Lärarnas riksförbund, ist der Auffassung, dass das problematisch ist, weil der Staat die Ziele vorgibt. Eva-Lis Preisz, Vorsitzende von Lärarförbundet, sagte: "Eltern und Schüler müssen wissen, auf welcher Grundlage die Noten erteilt werden. Wenn alle Noten geben können, wie es ihnen beliebt, wo bleibt dann die Gleichbehandlung? Es muss dieselben Kriterien geben, egal auf welche Schule man geht."

Preisz lehnt Noten ab Klasse 1 auch generell ab und hält dies für zu früh. Stattdessen soll man lieber die individuellen Entwicklungspläne für Schüler weiter entwickeln. "Man kann nicht einfach nur konstatieren, wie ein Schüler steht. Man braucht mehr Hilfe für Schüler, mehr Ressourcen, eine gute Vorschule mit Lehren und Lernen und spezieller Hilfe im Vordergrund für Schüler, die Hilfe brauchen.

Preisz weiter: "Buchstaben und Zahlen reichen nicht aus. Ein Schüler in der ersten Klasse braucht zukunftsgerichtete Hilfe und nicht Beurteilen à la 'Du kannst nicht lesen'.

Den Lehrergewerkschaften gab der Minister lediglich eine Woche Zeit für Stellungnahmen.

In vieler Hinsicht versucht die neue Regierung eher die Menschen zu bekämpfen als die Symptome zu behandeln und auf dieseem Weg Probleme zu lösen. Arbeitslose werden unter enormen Druck gesetzt statt neue Arbeitsplätze zu schaffen. In der Schule will man nun Noten ab Klasse 1 geben, statt den Schulen mehr Geld zu geben, um ausreichend ausgebildetes Personal einzustellen.

Dass Schüler leichter lesen und rechnen lernen, nur weil man 7-Jährigen Noten gibt, ist absurd und ist eine Idee von Politikern und nicht von Pädagogen. Nur im Dialog beider Gruppen kann man aber die Schule verbessern. Dass man den Pädagogen nur eine Woche Zeit für eine Stellungnahme gibt, zeigt aber, dass es Minister Björklund eher darum geht, populistische Entscheidungen zu treffen, die den wahren Problemen nicht abhelfen.

23. Januar 2007

Skolverket: Verbot von Schleiern verstößt gegen Schulgesetz

Am 08.03.2006 wandte sich die Mutter eines 7-Jährigen Mädchens an Skolverket. Grund: die Minervaschule in Umeå hatte es dem Mädchen untersagt, während des Schultages einen Schleier zu tragen. Die Schule war der Ansicht, dass das Tragen des Schleiers gegen geltende Ordnungsregeln verstoße, die auch das Tragen von Schirmmützen oder Mützen untersagte.

Nun hat die schwedische Schulbehörde heute mitgeteilt, dass das ausgesprochene Verbot gegen das geltende Schulgesetz verstoße. Wenn die Schule dem Mädchen untersage, einen Schleier zu tragen, würde das Kind aufgrund seiner Religion vom Unterricht ausgeschlossen. Die Mutter hatte das Kind nach der Entscheidung an einer anderen Schule angemeldet.

Die Minervaschule hatte versucht damit zu argumentieren, dass lediglich Erwachsene das recht besitzen würden, ihre Kleidung aufgrund religiöser Überzeugungen zu wählen. Besonders für junge Mädchen bedeute das Tragen religiös motivierter Kleidung eine Unterdrückung des eigenen Bestrebens nach Freiheit und des Willens, eigene Entscheidungen zu treffen.

Skolverket wies diese Begründung zurück. Die Minervaschule wird von einer der prominentesten Anwältinnen Schwedens vertreten, Elisabeth Fritz, die sich besonders für Mädchen und Frauen einsetzt, die in Fragen der Ehre von ihrer Familie unterdrückt und verfolgt werden.

Elisabeth Fritz führt in ihrer Begründung des Widerspruchs gegen die erste Entscheidung Skolverkets unter anderem an, dass Frankreich am 15.03.2004 ein Gesetz eingeführt habe, dass religiöse Kleidung und religiöse Symbole in allgemeinbildenden Schulen verbiete. Am 29.06.2004 hatte der Europäische Gerichtshof in Luxemburg der Universität Istanbul Recht gegeben, das Tragen von Kopftüchern aus religiösen Gründen zu untersagen. Elisabeth Fritz schrieb, es sei merkwürdig, dass europäische Richter keinen Verstoß gegen europäische Konventionen feststellten, schwedische Behörden aber der Ansicht seien, dass sie sich über solche Entscheidungen hinwegsetzen könnten.

2003 hatte Skolverket in einem anderen Fall einer Göteborger Schule recht gegeben, die das Tragen von Burkas während des Unterrichts untersagt hatte. Damals hatte die Behörde gesagt, dass auch wenn die Burka eine religiöse Stellungnahme ausdrücken würde, so müsse man den pädagogischen Auftrag der Schule höher einschätzen. Fritz schliesst daraus, dass Skolverket durch diese Entscheidung durchaus eingeräumt hätte, dass man die Religionsfreiheit in allgmeinbildenden Schulen einschränken könne.

Die heutige Begründung von Skolverket gibt es auf Schwedisch als PDF-Dokument auf der Homepage der Behörde.

Elisabeth Fritz erwägt nun, den Fall vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen. "Die Entscheidung von Skolverket kann gegen die Europäische Konvention verstoßen. Ich treffe täglich Klientinnen, die den Schleier nicht mehr tragen wollen, es aber nicht dürfen, und in diesem Fall geht es darum, dass die Schule sich um die Interessen eines Kindes gekümmert hat und darauf hat Skolverket keine Rücksicht genommen," sagte Fritz der Zeitung Svenska Dagbladet.

22. Januar 2007

Nicht nur in Landskrona

Nicht nur im südschwedischen lLandskrona gibt es Probleme mit der Disziplin in der Schule. Die Vorkommnisse an der dortigen Gustav-Adolf-Schule sind in aller Munde und die Rektoren haben zusammen mit den politisch Verantwortlichen in der Gemeinde nun verboten, dass andere Sprachen als Schwedisch gesprochen werden.

Auch in der Göteborger Torslanda-Schule gibt es Scherben. Leider im wahrsten Sinne des Wortes. Im vergangenen Jahr wurden Scheiben im Wert von ca. 33.000 € in der Schule zerstört, allein während der Weihnachtsferien gab es 22 Vorfälle an den beiden Schulen, weshalb man jetzt beschlossen hat, dass die Schulen nachts bewacht werden, schreibt Westschwedens größte Zeitung Göteborgs Posten. (GP)

Der heutige Schultag in Göteborg begann für die Schüler mit einer anonymen Schreibaufgabe. Sie sollten notieren, wen sie für verantwortlich für die Zerstörung halten, nachdem am Wochenende erneut etliche Scheiben eingeworfen worden waren.

Bislang haben fünf Leser den Artikel in GP kommentiert, darunter anonym: "Der Rektor sollte sich lieber um die Sicherheit an der Torslanda Schule kümmern. Man stirbt nicht von Graffiti oder Scherben, aber die Behandlung, die dir an deiner Schule widerfährt, die kann dir schaden."

7. Januar 2007

Skolverket kritisiert Freizeiteinrichtungen in den schwedischen Schulen

Deutschland schlittert von einer PISA-Blamage zur nächsten. Als Folge des schlechten Abschneidens in den internationalen Untersuchungen über den Leistungsstand von Schülern reisten immer wieder deutsche Bildungsdelegationen nach Schweden und Finnland, um sich anzuschauen, wie man es vielleicht besser machen kann.

Im Dezember 2004 fand in Bonn eine Tagung von Schulen ans Netz statt, in der Modelle vorgestellt wurden, wie man in Ganztagsschulen mit den Neuen Medien arbeitet. Und während man in der Bundesrepublik mit Schwierigkeiten, die Geld und alte Strukturen heißen, versucht, Ganztagsschulen einzurichten, gibt es diese in Schweden schon sehr lange.

Schüler der 1. - 6. Klasse haben in der Regel überall im Land die Möglichkeit, nach dem Schultag ihre Zeit in Freizeitheimen ("fritis") zu verbringen, die Teil der Schulen sind.

Nun hat die oberste schwedische Schulbehörde Skolverket den Freizeitheimen ein überwiegend negatives Urteil ausgestellt. Oft sei es viel zu laut und zu stressig in den Freizeiteinrichtungen und bei sehr vielen scheine jeder pädagogische Ansatz zu fehlen.

Vergangenes Jahr besuchten 327.000 Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren in Schweden ein "fritis". Als in den 90er Jahren die allgemeine Wirtschaftskrise in allen Gesellschaftssektoren zu gravierenden Sparmaßnahmen führte, strich man auch im Schulwesen etliche Stellen. Heute kommen in der Freizeitbetreuung auf einen Angestellten 18,6 Kinder. Wer wie ich einmal Freizeitbetreuung in Deutschland gemacht hat und dabei schon mit acht Kindern vollauf genügend zu tun hatte, weiß wie stressig der Alltag für das Personal sein muss.

Silja Jundin, die als Projektleiterin bei Skolverket, die aktuelle Studie überwacht hat, sagt, dass die Gruppen manchmal so groß seien, dass die Angestellten kaum wüßten, wo alle Kinder stecken.

Skolverket hat den staatlichen Auftrag, die Schule in Schweden ständig zu evaluieren. Jede Schule in Schweden soll alle 3-4 Jahre einer individuellen Inspektion unterzogen werden, den die Inspekteure mit einem veröffentlichten Bericht abschließen. Gibt es gravierende Mängel, können Schulen sogar geschlossen werden.

Lars Ullén, Unterrichtsrat bei Skolverket, kommentiert die aktuelle Untersuchung über Freizeitheime: "Die Freizeitheime sind eine Einrichtung, die von großer Wichtigkeit für die Entwicklung eines Kindes sind. Es sind in hohem Maße Freizeitheime, wo Kinder Vorbilder bekommen, wo sie Werte und soziales Zusammenspiel beigebracht bekommen, wo sie lernen, was richtig oder falsch ist und wie man sich anderen gegenüber verhalten sollte."