7. Juli 2007

Almedalen startet

Almedalen? Nie gehört? Ich dachte immer, Almedalen sei ein richtiges Tal, bis ich irgendwann lernte, dass es ein relativ kleiner Park ausserhalb der Altstadt in Visby auf Gotland ist.

Seit Jahrzehnten ist es Tradition in Schweden, dass Spitzenpolitiker im Juli Almedalen besuchen und ihre neuesten Gedanken und Ideen preis geben. In Zeiten des allseits verbreiteten Sommerlochs, in dem es nicht so viele Neuigkeiten gibt, eine willkommene Medienveranstaltung.

Für gewöhnlich sprechen in Almedalen die Parteivorsitzenden. Dieses Jahr lassen sich jedoch Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt (will sich um seine Kinder kümmern), Maud Olofsson und Lars Leijonborg (hört bald auf) vertreten durch in der richtigen Reihenfolge Finanzminister Anders Borg, Umweltminister Anders Carlgren und Einwanderungsministerin Nyamko Sabuni vertreten.

In diesem Jahr sind auch "nur" 300 Journalisten angekündigt, die mit den Politikern in einem der beiden Nobelhotels Strand Hotell oder Wisby Hotell hausen. Prominente Gäste aus dem Ausland sind auch nicht angekündigt, in den letzten Jahren hatten so illustre Gäste wie Segolene Royal, Gordon Brown und Joschka Fischer für ihre Schwesterparteien Partei ergriffen.

Prostitution in Schweden

Härtere Strafen für Zuhälter und Freier fordert Ewa Carlefors von der Traffickingkommission der Stockholmer Polizei. Selbst Freier, die zum dritten Mal verurteilt werden, kommen immer noch mit Bussgeldern davon, obwohl das Gesetz auch die Möglichkeit von Haftstrafen bietet,

Hierzu muss bemerkt werden, dass es in Schweden nicht verboten ist, sich zu prostituieren, es ist hingegen verboten, sexuelle Dienste zu kaufen. Nach wie vor ein weltweit einzigartiges Gesetz, das nicht das Angebot sondern die Nachfrage unter Strafe stellt.

Die Denkweise des Gesetzgebers basiert auf der Annahme, dass Prostitution grundsätzlich Ausbeutung und Erniedrigung von Frauen impliziert. Als Deutschland vergangenes Jahr die Fussball-WM ausrichtete, gab es Stimmen schwedischer Organisationen, die schwedische Nationalmannschaft solle die WM boykottieren, da Deutschland dem Menschenhandel mit Frauen als Zwangsprostituierte zuwenig entgegensetze.

Das Gesetz hat jedoch keinesfalls zu einer Befreiung von Frauen aus unakzeptablen Verhältnissen geführt. Im Gegenteil hat sich dieser "Wirtschaftszweig", der von seinen Sympathisanten gern "das älteste Gewerbe der Welt" genannt wird, mehr in Zonen verlagert, die für die Ermittlungsbehörden nur schwer zu kontrollieren sind. So bieten sich Prostituierte au diversen Internetseiten an und statt in kontrollierbaren öffentlichen Häusern (Bordelle, Clubs, was weiss ich) sind es nun Wohnungen in der Nachbarschaft gewöhnlicher Svenssons, in denen Frauen sich verkaufen oder noch eher verkauft werden.

Die Möglichkeit der Ermittlungsbehörden, die oft über die baltischen Länder eingeschmuggelten Frauen zu schützen, sind relativ gering. Sprengt man in einem Monat nach monatelangen Observationen ein illegales Bordell mit estnischen Prostituierten, ist an anderer Stelle schon längst eine Wohnung mit rumänischen Frauen in den Betrieb genommen worden. Nicht immer sind die Frauen freiwillig hier und noch immer gibt es Zwangsprostitution mit jungen Mädchen und Frauen, die in ihren Heimatländern angelockt werden, um im Ausland in einem Restaurant oder einem Hotl zu arbeiten. Allerdings haben beispielsweise die Innenminister von Estland, Lettland und Litauen diesem vorherrschenden Mythos eine Absage erteilt. Aufgrund intensiver Ermittlungen behaupten die Minister, dass die meisten der vorwiegend russischstämmigen Frauen aus den baltischen Ländern genau wüssten, worauf sie sich einlassen.

Dennoch ist die Arbeit als Prostituierte sicher nicht der in einem Kindergarten vergleichbar. Die Situation von Frauen in einem fremden Land ohne Arbeitserlaubnis, oft ohne Schwedisch- und nur mit sehr geringen Englischkenntnissen in einem kriminellen Milieu, in dem man letztlich völlig von den Zuhältern abhängig ist, darf nicht romantisiert werden.

Ewa Carlefors kommt in dem Artikel in Dagens Nyheter zu einer erschreckenden Schlussbemerkung, da nach ihrer Ansicht Frauen lieber in Schweden als in Südeuropa "arbeiten" würden: "Die Frauen sagen, dass die Kunden hier für das bezahlen, was sie haben wollen. Das ist kein Gerede. Sie sind nicht gewalttätig, sie sind sauber und schnell in dem, was sie tun. Haben sie für eine Stunde bezahlt, sind sie nach einer Viertelstunde fertig."

Man mag es nicht glauben. Das können osteuropäische Zuhälter und Menschenhändler auf Werbeposter für künftige Prostituierte drucken. Eine Hymne an den schwedischen Freier. Er ist nicht pervers, sondern sauber und rein, entleert sich schneller als geplant und wahrscheinlich noch richtig nett. Ob schwedische Männer generell immer so schnell fertig sind? Als Überschrift über den Artikel hätte man den Gepflogenheiten schwedischer Medien enstprechend auch schreiben können: "Svenska sexköpare bäst i Europa" - Schwedische Sexkäufer die besten in Europa.

6. Juli 2007

Ein Freitag im Juli

Juli ist in Schweden Urlaubszeit. Früher gab es hier die Industrieferien, da machten alle grossen Konzerne komplett die Pforten dicht. Das ist heute anders, aber dennoch laufen die meisten Betriebe ausserhalb des Einzelhandels auf Sparflamme. Anders als im bevölkerungsreichen Deutschland, wo die Schulferien von Bundesland zu Bundesland verschieden sind, um einen totalen Zusammenbruch der berühmten Autobahnen zu verhindern, hat im grossen Schweden mit der kleinen Bervölkerungsdichte jedes Schulkind von Mitte Juni bis Mitte August Ferien.

Die Nachrichten des Tages.

Sven-Göran Eriksson, kurz Svennis genannt, jener inzwischen dem Vorsteher eines Altersheims ähnlich sehende Fussballtrainer, der 1982 mit dem IFK Göteborg sensationell den UEFA-Cup gegen den HSV gewann und danach in Portugal und Italien Erfolge feierte, bevor er dann erster ausländischer Trainer der englischen Nationalmannschaft wurde, hat nach einem Jahr intensiven Suchens nun einen neuen Verein gefunden: Manchester City. Einen im Mittelmass vor sich hin dümpelnden Club, den nun der ehemalige thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra, seines Zeichens eine Art asiatischer Abramowitsch, zu seinem neuen Hobby erklärt hat, übernommen hat. 75% der Aktien besitzt der Thai-Milliardär und Svennis zahlt er, kann man den Zeitungen glauben, ein Gehalt von rund 4,5 Millionen € pro Jahr. Mit Schimpf und Schande hatte man sich von Eriksson im englischen Fussballverband getrennt, nachdem man wieder einmal nicht Weltmeister geworden war, womit niemand ausser der britischen Presse gerechnet hatte.

In Südschweden ist es in den letzten Tagen aufgrund heftiger Regenfälle zu ebenso heftigen Überschwemmungen gekommen, der Sommer spielt sich im hohen Norden Lapplands ab, mit Tempreaturen bis zu 25 Grad. Aber wenn es in Südschweden regnet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auch in Dänemark regnet. Da, wo jetzt das berühmteste aller Rockfestivals des Nordens stattfindet: Roskilde. Während man im schwedischen Hultsfred vor drei Wochen Minus machte, nicht zuletzt weil die Eintrittspreise drastisch erhöht worden waren, ist Roskilde restlos ausverkauft. Bis zu den Knöcheln stand Svenska Dagbladets Rezensent Stefan Malmqvist gestern in Roskilde im Schlamm. Obwohl Malmqvist Björk beneidete, die auf der trockenen Bühne ihren Auftritt barfuss absolvierte, während der Journalist in Gummistiefeln lauschte, kann man den Rezensenten beneiden. Arcade Fire hat ein offensichtlich geiles Konzert gespielt und mit LCD Soundsystem und nicht zuletzt The Killers waren zwei weitere starke Acts auf der Bühne. The Killers haben um Einzelkonzerte in Schweden auf der Sam's Town-Tournee einen Bogen gemacht, lange nicht alles, was gut ist, ist auch in Stockholm zu hören.

5. Juli 2007

Die eigenen Gesetze des Pokals


Es ist ein alter Spruch, den man in Deutschland von Ernst Huberty über Heribert Fassbender bis hin zu Marcel Reif und Bela Rethy schon tausend Mal gehört hat: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.

Der Pokal im schwedischen Frauenfußball leidet vor allem am Gesetz, dass viele Trainer bis zum Halbfinale oder gar Finale jeweils ihre besten Spielerinnen schonen.

So auch gestern in Stockholm. Gastgeber AIK trat im erweiterten Lokalderby gegen Bälinge aus Uppsala ohne Sofia Lundgren, Sanna Valkonen, Jessica Julin und Laura Kalmari an. Jessica wurde elf Minuten vor Schluss eingewechselt, Sanna und Laura saßen in "zivil" auf der Tribüne des kleinen Stadions Skytteholms IP in Solna, Sofia saß die 90 Minuten auf der Bank ab.

Dennoch gelang dem Gastgeber ein ungefährdeter 4:1 Sieg nach einer vor allem in weiten Teilen der zweiten Halbzeit desolaten Leistung der Gäste. Bälinge hat sich zu einer finnischen Enklave entwickelt: Mit Petra Vaelma, Heidi Matinlassi, Katri Nokso-Koivisto und Anne Mäkinen sind vier übrig geblieben vom einstigen Quintett: Sanna Talonens Vertrag endete am 30.06., die 24-Jährige ist zum Studium in die USA weitergezogen. Und Talonen wurde und wird schmerzlich vermisst. Denn Annette Kent war unbeweglich und gewann kaum einen Zweikampf. Erst als die 17-Jährige Alexandra Höglund eingewechselt wurde und auf links für frischen Wind sorgte, kam Bälinge zu ernst zu nehmenden Chancen. Ausnehmen von der Kritik muss man auch Kacey White. Die kleine Amerikanerin spielte eine sehr gute erste halbe Stunde, aber dann kam der Trippelschlag durch AIK...

Drei Tore innerhalb von fünf Minuten ließen die Luft aus dem Spiel. Camilla Ulander-Nilsson köpfte nach Ecke von Linda Lekander das 1:0, dann verwandelte Nazanin Vaseghpanah sicher einen sehr fragwürdigen Foulelfmeter keine Minite später und in der 40. Minute gelang Sofia Simonsson mit einem schönen Heber das alles entscheidende 3:0.

Zwar machte Bälinges beste Spielerin Alexandra Höglund noch das 3:1, aber schon im Gegenzug konnte Linda Lekander einen Freistoß verwandeln. 4:1 Sieg, gute Vorbereitung in moralischer Hinsicht auf das Kellerduell gegen QBIK am Samstag und ein Halbfinalplatz im jedoch recht ungeliebten Pokalwettbewerb.

Ebenfalls weiter: KIF Örebro nach einem überraschenden 2:0 Sieg bei Titelverteidiger Linköping, LdB Malmö nach einem sicheren 3:0 gegen Göteborg und Tabellenführer Umeå, der sich für die Auswärtsniederlage in Sunnanå in der Liga nun mit einem 3:1 im südlappländischen Vilhelmina revanchierte.

Torschützin zum 1:0 dabei Malin Moström, die vergangenes Jahr ihren Rücktritt erklärt hatte und nun aufgrund vieler Verletzungen bei Umeå (Hanna Ljungberg, Ramona Bachmann und andere) für ein paar Wochen zurückgekehrt ist. Moström wurde auch von Nationaltrainer Thomas Dennerby angesprochen, ob sie sich die WM-Teilnahme in China vorstellen könnte, aber Malin Moström hat das kategorisch ausgeschlossen. Auch das schwedische Nationalteam ist von Verletzungssorgen vor der WM im September geplagt. Linköpings Nationalstürmerin Josefine Öqvist fällt garantiert aus und Hanna Ljungbergs rechtzeitige Genesung noch mit einem Fragezeichen versehen.

3. Juli 2007

Fußballprofi wegen Körperverletzung festgenommen

Gegen den in Diensten des schwedischen Erstligavereins Gefle IF stehende Fußballprofi Yannick Bapupa wird wegen Körperverletzung ermittelt. Bis die Angelegenheit entschieden ist, hat der Verein nun Spielverbot verhängt.

Bapupa wird vorgeworfen, seine Ehefrau mehrfach misshandelt zu haben. Über seinen Anwalt Sören Rehn bestreitet Bapupa alle Anklagen.

Dilba durfte nicht fliegen

Die schwedische Sängerin Dilba wollte gestern Morgen nach Las Vegas fliegen. Als Sicherheitskräfte die Frau kurdischer Abstammung fragten, was der Zweck ihres Aufenthalts sei, antwortete sie scherzhaft, sie wolle Flugzeuge in die Luft sprengen.

Worauf sie nicht in die Maschine der US Airways gelassen wurde. Angaben der Sängerin, sie dürfe nun nie mehr mit US Airways fliegen, widersprach die Pressesprecherin der Airline. Dilba sei nur von dem aktuellen Flug ausgeschlossen worden.

Die Sängerin fliegt heute nach Nevada.

Wie dumm kann man sein? Dilba sollte sich aufs Singen beschränken...

Annuals: Brother

Aus Amerika kommt diese Band, die mit dem Album "Be He Me" jetzt debütiert hat. Ungewöhnliche Popklänge einer Formation, die gekommen ist, um zu bleiben...

2. Juli 2007

Zeugen in Angst - Rechtssicherheit in Schweden akut gefährdet

Ein beispielloser Fall. Und doch Beispiel für viele andere.

In der Neujahrsnacht wird im Stockholmer Vorort Hägersten nach Streitigkeit ein 24-Jähriger Mann getötet. Es gibt mehrere Zeugen, darunter eine 24-Jährige Frau. Von Beginn an gibt es Drohungen gegen die Zeugen, die bereit sind, gegen die Tatverdächtigen auszusagen.

Die 24-Jährige Frau wird im April überfallen und misshandelt. Die Polizei gewährt ihr daraufhin Zeugenschutz, kommt aber nach wenigen Wochen zu der Erkenntnis, dass keine Gefahr mehr besteht. Die Zeugin hat jedoch weiterhin Angst und flüchtet auf eigene Kosten und ohne Schutz ins Ausland. Als ihr das Geld ausgeht, muss sie zurückkommen. Keine 48 Stunden später wird die Frau überfallen und schwerstens misshandelt, als sie mit ihrer 4-Jährigen Tochter am hellichten Tag einen Park besuchen will. Die beiden Angreifer schreiben ihr das Wort "död" (Tod) auf den Rücken und können unerkannt flüchten.

Der Schutz von Zeugen, die bereit sind, gegen kriminelle Gewalttäter auszusagen, ist in Schweden nahezu unbedeutend. Drohungen und Gewaltakte gegen Zeugen von Kapitalverbrechen sind in den letzten Jahren um mehrere Hundert Prozent gestiegen.

Eine Gesellschaft, die nicht willens oder in der Lage ist, ihre Bürger vor solchen Aktionen zu schützen, muss sich fragen lassen, wie es um die Rechtssicherheit bestellt ist.

Polizei und Justizbehörden müssen die Verantwortung übernehmen und ihr Möglichstes tun, dass Gewaltverbrecher dahin kommen, wo sie hingehören: Hinter Schloss und Riegel.

In Schweden hat sich die Rechtssicherheit verabschiedet.