23. Juli 2008

Fussballpause

Die Damallsvenskan, Schwedens Eliteliga für Frauen, hat Pause. Einige bereiten sich allmählich auf Olympia vor. Andere spielen in diversen Jugendnationalmannschaften.

In letzter Zeit habe ich unter anderem Hammarbys Talent Nazanin Vaseghpanah, AIK:s australische Goalgetterin Lisa De Vanna und die schnelle finnische Hoffnung Linda Sällström porträtiert.

Die Deutsche

Sie geistert seit Monaten durch die schwedische Presse und firmiert nurmehr als "die Deutsche", wobei man sich als Deutscher die Frage stellt, ob man ähnlich "die Kurdin" oder "die Afrikanerin" schreiben würde. Deutsch und böse geht im Jahr 2008 für viele noch gut zusammen. Die anderen Konstruktionen wären politisch unkorrekt und politisch nicht korrekt sein,das kann man den Schweden nun wohl nicht vorwerfen. Schwamm drüber.

Einer deutschen Staatsbürgerin, Anfang 30, wird seit heute der Prozess gemacht. Sie wird angeklagt, Anfang des Jahres in Arboga, einem kleinen Nest in Värmland, vermutlich aus rasender Eifersucht eine schwedische Frau Anfang 20 und deren beiden kleinen Kinder, 1 und 3 Jahre alt mit einem Hammer attackiert zu haben.

Die beiden Kinder starben noch auf der Stelle. Die Mutter überlebte und wird jetzt als Zeugin aussagen.

Motiv: "Die Deutsche" hatte ein Verhältnis mit dem Freund der jungen Schwedin. der hatte sich jedoch dann von der älteren Frau getrennt und wohnte nun mit der Schwedin zusammen.

In diesem Fall gibt es keine eindeutigen Beweise wie etwa gegen Anders Eklund. Keine DNA, kein Geständnis der mutmasslichen Täterin. 56 Zeugen werden aufmarschieren. "Die Deutsche" ist gesehen worden, am Tag vor der Tag, am Tag nach der Tat und danach. Ihre Aussagen sind wirr und unzusammenhängend und können nicht ganz stimmen.

Aber es gibt keine Tatwaffe und die Schuhe, mit denen sich jemand im Blut der kleinen Kinder bewegt hat, wurden nicht im Besitz der Angeklagten gefunden. Es gibt aber ein Foto, auf dem die Angeklagte die Schuhmarke trägt.

In Arboga liegt ein langer Prozess in der Luft, der möglicherweise mit einem schalen, übel schmeckenden Freispruch endet, wenn es den Ermittlern nicht doch noch gelingt, die "Deutsche" eindeutig an die Tat zu binden. Das überlebende Opfer könnte hierbei eine entscheidende Rolle spielen, wenn ihre Erinnerung an die grausame Tat wieder zurückkehrt.

21. Juli 2008

Prozess

Der Prozess gegen den Kraftfahrer Anders Eklund findet aus Sicherheitsgründen vor dem Stockholmer Amtsgericht statt. Eklund wird beschuldigt, im Frühjahr 2008 die 10-Jährige Engla und vor einigen Jahren eine erwachsene Frau vergewaltigt und ermordet zu haben. Die Beweise sind erdrückend, in beiden Fällen gibt es DNA-Spuren.

Englund gestand heute vor Gericht beide Taten und entschuldigte sich bei den Familien der Opfer.

Bislang hatte der Kraftfahrer unberührt und reuelos in den Polizeiverhören gewirkt. Verteidiger des mutmasslichen Mörders ist Leif Silbersky, der immer dann zur Stelle ist, wenn aufsehenerregende Kriminalfälle die Schweden schockieren.

Silbersky will, dass der Tatbestand Vergewaltigung gestrichen wird, da Mord schwerer wiegt.

In den Jahren zwischen den beiden Morden konnte Eklund bislang keine weitere Tat nachgewiesen werden.

Die Einzelheiten der Taten sind bestialisch, grausam.

Sachverständige halten Eklund für gesund.

Der Staatsanwalt wird lebenslangen Freiheitsentzug fordern. Männer wie Eklund sind kaum therapiefähig. Man kann nur hoffen, dass sich die Gefängnistüren bald für immer hinter Anders Eklund schliessen.

Täter wie er geniessen im Strafvollzug besonderen Schutz, da sie unter den anderen Insassen nicht sonderlich beliebt sind. Mögen weitere potentielle Opfer vor ihm geschützt werden.

Tierpensionat

Meine Wohnung gleicht derzeit einem Tierpensionat. Ein Hund, ein Welpe (nicht stubenrein) und eine Katze (alle schwarz) wohnen bei mir. Das bringt viele interessante Spaziergänge in der näheren Umgebung mit sich, aber auch, das man das Haus kaum mehr als drei Stunden verlassen kann.

Besuch bei IKEA am Wochenende. Neue Gardinen in der Küche und eine neue Lampe im Wohnzimmer.

8. Juli 2008

Sommer?

Das Wetter in Stockholm ist mies. Jawohl. Es ist kühl, es ist bewölkt und die herrlichen Sommerzeiten lassen auf sich warten nach einigen vielversprechenden Tagen, die schon Vergangenheit sind.
In diesem Blog ist lange Funkstille, trotzdem lesen viele in alten Einträgen wie die Logdateien unbestechlich zeigen. Das freut mich. Auch wenn meine 2-3 Posts zu der tragisch verstorbenen Johanna Sällström mit Abstand immer wieder aufgerufen werden und ziemlich dominieren. Damit wird auch dieser Post googlebar mit ihr verknüpft.
Noch ein paar Tage, drei genauer, arbeiten und dann ist erstmal Schicht. Pause. Urlaub. Freie Zeit und hoffentlich Sommer.

19. Juni 2008

Schweden raus - schämt euch

"Schämt euch" titelt die Abendzeitung AFTONBLADET auf insgesamt 21 Seiten nach dem Ausscheiden der schwedischen Nationalmannschaft bei der Fußball-EM.

Das 0:2 gegen Russland gestern Abend erinnert an das Spiel mit dem
selben Ergebnis gegen Deutschland bei der WM 2006.

Die vom Wunderholländer Gus Hiddink betreuten Ostslawen hätten auch 7:1 gewinnen können und niemand hätte sich beklagen dürfen.

Junge, spielfreudige Russen gegen langweilige, alte Schweden.

Da kommt einem Rumsfelds (kennt ihr den noch) Gerede von "Old Europe" hoch. Schwedischer Sicherheitsfußball. Effektiv. Organisiert. Unspektakulär. Erfolgreich. Zumindest in der Quali für große Turniere.

Viele fordern heute den Kopf von Coach Lars Lagerbäck. Zu spät. Egal.

Auch ein Hiddink könnte keine besseren Spieler aus Wachs formen.

Aber dennoch: Schweden braucht einen ausländischen Trainer, am besten Holländer, wie wärs mit Frank Rijkaard, der mal ein neues Konzept ausprobiert:

Fußballspielen kann Spaß machen.

Das wäre eine neue Erkenntnis für den schwedischen Männerfußball.

Wir hatten das auch jahrzehntelang bis Klinsi und Jogi kamen und uns ein Sommermärchen bereiteten: Langweilige, erfolgreiche Teams, denen ausländische Fans immer nur das Schlechteste wünschen, weil wir uns immer durch Turniere organisert mogelten und mit 1:0 Siegen gegen Mexiko durch späte Freistoßtore von Lodar Maddäus immer ne Runde weiter kamen.

Aber schwedische Männer (Ausnahme: solche mit bosnischem Migrationshintergrund) können eh nicht Fußball spielen. Es sei denn, sie sind dunkelhäutig. Dahlin. Larsson. Oder anders. Ljungberg. Punkt Schluss.

Dafür aber die Frauen. Sehenswert. Vielleicht holen die Mädels von Thomas Dennerby ja Bronze in Peking.

16. Februar 2008

Melodifestivalen

Der zweite Teilwettbewerb der schwedischen Vorausscheidung für den ESC. Acht Lieder in Västerås. Man versucht, maximale Gewinnakkumulation zu erzielen. Vier Viertelfinals. Eine zweite Chance. 32 Lieder. Kilometerweise Artikel in ALLEN Zeitungen des Landes.

Superduperfavoriten war vor dem heutigen Abend das Duo Andreas Johnson und Carola Häggvist. Der ganze Wettbewerb wurde als Staffage für Johnson & Häggqvist gesehen, mit Mühe gelangten beide nun in die Trostrunde, weil man sich eben nicht nur auf die Bühne stellen kann, sondern auch noch ein gutes Stück haben sollte. "One Love" bleibt nicht im Gedächtnis haften und ist, wie die meisten aller Beiträge - Dutzendware, Schrott.

In Schweden gibt es nicht so viele begabte Komponisten, dass es für einen jährlich hochklassigen Wettbewerb mit 32 Liedern reichen würde.

Sanna Nielsen marschierte mit einer Celine-Dion-Nummer "Empty Room" direkt ins Finale. Sie sieht niedlich aus, hat eine Stimme, die das Stück sehr gut trägt, aber sie singt ohne mit den falschen Wimpern zu zucken "My life goes on just like the moon" und in diesem Moment möchte man seinen Kaffee über den Fernseher schütten.

Der zweite Beitrag "Just One Minute", der ins Finale kommt, sieht so aus, wie man sich als Hetero eine Schwulendisco zu fortgeschrittener Stunde vorstellt. Glatzköpfige Zwillingsbrüder in roten Anzügen, die vor 35 Jahren modern waren, als Tavares die europäischen Discos mit "Heaven Just Can Be An Angel" oder so ähnlich aufmischten.

Melodifestivalen engagiert rund ein Drittel der Bevölkerung, heute Abend riefen 700.000 an und morgen, quatsch gleich, werden die Abendzeitungen von der sensationellen Watsche für Johnson & Häggqvist schreiben. Aftonbladet schreibt schon jetzt: "Skrällen" (Die Sensation). Und Expressen titelt: "Folket svek Carola" (Das Volk verliess Carola).

Das schwedische Fernsehen hat leider alle Videos der Sendungen bei Youtube herausgenommen. Mehr Infos auf der Sonderseite bei SVT.

3. Februar 2008

Erstes Spiel draussen


Auf Stadshagens IP gab es gestern das Lokalderby zwischen Djurgården und AIK, das Erstgenannte mit 2:0 (Tore: Jennifer Meier und Linda Sällström) gewannen. Auf beiden Seiten viele Experimente und auch ausgeliehene Spielerinnen. Im wahrsten Sinne ein Trainingsspiel. Trotzdem schön, dass es endlich losgeht mit der neuen Saison.

Sowohl Nadine Angerer (Premiere bei Djurgården) wie Sofia Lundgren (AIK) hatten nicht so furchtbar viel zu tun.

Es fehlten: Lollo Fors, Emma Lundh, Anne Mäkinen (AIK), Victoria Svensson, Ann-Marie Norlin, Ariane Hingst, Linda Forsberg (Djurgården).