30. Mai 2007

Achtelfinale im schwedischen Pokal


Heute Abend lief das Achtelfinale im schwedischen Pokal. Klare Auswärtssiege für Umeå und Göteborg. Zwei Duelle zwischen Teams der Allsvenskan. Bälinge besiegte Hammarby mit 1:0 und AIK gewann gegen QBIK mit 3:2. Zwei Tore und zweimal Führung für die Gäste durch Jennifer Meier, aber am Ende gewannen die Gastgeberinnen, die ohne Jessica Juhlin, Sanna Valkonen, Laura Kalmari (mit ihrem Golden Retriever Zaungast) und Nazanin Vaseghpanah angetreten waren. Bei QBIK fehlten Maria Yatrakis (filmte die erste Halbzeit von der Tribüne aus), Rebecka Johnsson und Lisa Mellberg.
Eine unnötige Niederlage für die Frauen aus Värmland, die Selbstvertrauen angesichts der kommenden Aufgaben in der Liga gegen Malmö (A), Göteborg (H) und Falköping (A) gebrauchen könnten.
Knapp nur gewann Örebro bei der Talentschmiede von Tyresö FF. Ein Tor von Kelly Dowling reichte.

Dünne Personaldecke - nicht krank werden

Schweden macht im Sommer zu. So war es früher und so ist es auch heute noch vor allem in öffentlichen Einrichtungen.

In den vergangenen Jahren empfahlen Stockholmer Krankenhäuser schwangeren Frauen schon einmal, ihre Kinder besser ausserhalb Stockholms zu kriegen, wenn es denn im Juni, Juli oder August so weit sein sollte.

Viele Angestellte haben Urlaub und die Personaldecke ist mehr als dünn.

Beim Karolinska Krankenhaus in Solna stehen für Herzpatienten statt 36 Betten im Sommer nur 19 zur Verfügung, Patienten sollten mit ihrem Herzinfarkt also noch ein wenig warten bis September vielleicht.

Das klingt zynisch und ist eigentlich ein Skandal. Nicht dem Personal anzulasten, aber den verantwortlichen Politikern aller Couleur, die dafür verantwortlich sind, genügend Ressourcen bereitzustellen, um dringend notwendige Krankenversorgung auch in den Sommermonaten leisten zu können.

28. Mai 2007

Schwedische Sozialbehörde sagt "ja" zur Züchtung von Menschen als Lebensretter

Die Überschrift ist provokativ, mir fiel nichts Besseres ein. Das Thema ist ethisch-moralisch gesehen hochbrisant.

Darf man, um das Leben von todkranken Kindern zu retten, durch Genmanipulation Kinder zeugen, die den Kranken als lebensnotwendige Spender von Blut, Knochenmark oder Organen dienen?

Die oberste schwedische Sozialbehörde hat heute morgen dazu ja gesagt.

Die Familie Richardson hat nach der heutigen Entscheidung zumindest wieder eine Hoffnung, dass ihr vierjähriger Sohn weiterleben könnte. Das Paar hat zwei Kinder, die beide die Anlagen einer höchst seltenen Stoffwechselkrankheit. Bricht die Krankheit aus, gibt es keine Überlebenschance. Der 11-Jährige Sohn des Paars ist bereits blind, taubstumm und gelähmt. Bei dem Vierjährigen ist die Krankheit noch nicht ausgebrochen. Nun können die Richardsons mit der Hilfe der Forschung ein gentechnisch maßgeschneidertes Kind zeugen (lassen). Aus dem Mutterkuchen und der Nabelschnur werden Blutzellen gewonnen, die dem Vierjährigen zugeführt werden.

Ein neues Gesetz aus dem Juli 2006 macht nun möglich. dass man ein idealtypisches Kind zeugt - der Embryo wird erst dann in die Gebärmutter eingesetzt, wenn Tests die idealtypische Spenderkonstellation ermittelt haben.

Der Mensch darf in die Zeugung eingreifen. Aber NUR dann, wenn das Gesetz haarscharf definiert, wann das erlaubt ist. Die medizinischen Eingriffe dürfen dann in keinem Fall eine Gefahr für das neue Kind bedeuten. Im Fall der Familie Richardson scheint das nicht der Fall zu sein. Deshalb ist die Entscheidung richtig und vertretbar.

Allerdings wird mir ein mulmig dabei, wie man in nichtdemokratischen Ländern möglicherweise die technologisch-medizinischen Möglichkeiten dazu ausnutzen könnte (oder schon ausnutzt), um Organspender zu züchten oder Kinder, die besonders hübsch werden und/oder klug, die man dann als Exportartikel auf den illegalen Adoptionsmarkt bringen kann.

27. Mai 2007

Umeå oder Djurgården - das ist hier die Frage


Nachdem es anfangs der Saison doch einige Überraschungen gegeben hatte und man nicht so ganz sicher war und mehr aus Wunschdenken, denn aus realistischen Überlegungen hoffte, dass Umeå Probleme bekäme, steht nach acht Spieltagen fest, dass sie Welt in Ordnung ist, so man denn möchte, dass alles so weitergeht wie bisher.

Vizemeister Djurgården schlug den Dritten Malmö im Topspiel des Tages recht sicher mit 2:0 (das Foto zeigt vl.n.r. Djurgårdens Torfrau Bente Nordby, Dorte Dalum Jensen, Jane Törnqvist, Elin Ekblom, Asthildur Helgadottir und Kicki Bengtsson) und Umeå machte gegen den Vierten Göteborg kurzen Prozess und erst nach der 5:0-Führung liess man die Gäste ins Spiel kommen, was dann Lotta Schelin in der 93. Minute mit ihrem zehnten Treffer dankte.

QBIK verliert wieder 0:1 zu Hause, dieses Mal gegen Hammarby, das am Donnerstag einen guten kämpferischen Eindruck gegen Djurgården gemacht hatte. Etwas überraschend der Sieg von Örebro in Sunnanå mit 3:1 und vielleicht, dass Linköping nur knapp mit 3:2 gegen Bälinge gewinnen konnte.

Djurgården zeigte vor allem in der Abwehr und im Mittelfeld eine Klasseleistung, die taktischen Umstellungen von Coach benny Persson funktionieren. Am 11. Spieltag gehts gegen Umeå, da fällt die Vorentscheidung um die Meisterschaft falls Umeå gewinnt. Zwar hatten die Nordschwedinnen mit Malin Moström und Anna Sjöström zwei Rücktritte zu verkraften und dazu den Weggang von Torfrau Sofia Lundgren sowie den beiden finnischen Weltklassespielerinnen Sanna Valkonen und Anne Mäkinen, aber durch Verstärkung des Teams mit Ma Xiaxiu, Madelaine Edlund und wohl vor allem der jungen Schweizerin Ramona Bachmann hat der Verein wieder einmal ein glückliches Händchen bewiesen.

Nix los auf Arlanda

Der heutige Sonntag, Muttertag in Schweden, ist nun schon der dritte Tag, an dem es auf dem Stockholmer Flughafen Arlanda wesentlich ruhiger und gemächlicher als sonst zugeht.

Grund: Die heimische Fluglinie SAS muss nahezu alle Flüge wegen eines Streiks des Kabinenpersonals ausfallen lassen. Das Unternehmen macht somit einen Verlust von ca. 5 Millionen € pro Tag.

Wollen die Stewardessen mehr Geld, andere Uniformen? Nein, es geht schlicht und ergreifend um bessere Arbeitsbedingungen. Es gibt zu wenig Zeit für Essenspausen und das Schema, nachdem die Angestellten arbeiten müssen, lässt wenig vom einstigen Traumberuf Setwardess übrig.

Louise Boström, eine der Streikenden, berichtete der Zeitung Svenska Dagbladet, dass man laut Vertrag eineinhalb Stunden Essenspause habe. Diese Zeit beginnt aber bereits, sobald das Flugzeug am Gate eines Flughafens angedockt hat. Dann sind die Passagierre noch nicht ausgestiegen und unbegleitete Kinder und Behinderte und alle anderen müssen betreut aus der Maschine gebracht werden.

Das klingt zunächst so, als sollte es kein Problem für SAS sein, den Forderungen der Angestellten entgegen zu kommen. Doch der Arbeitgeber weiss: Er arbeitet mit einem Personalbestand, der an der unteren Grenze liegt. Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, müsste er mehr Personal einstellen, um grössere zeitliche Flexibilität zu erreichen. Mehr Personal wird zwangsläufig zu höheren Preisen und geringerer Konkurrenzkraft führen in einem immer heisser werdenden Geschäft.

Die Klimakatastrophe wird wesentlich durch Fliegen befördert. Aber wir wollen nicht davon ablassen, uns nach Thailand, auf die Seychellen und nach Florida befördern zu lassen. Eigentlich müssten die Flugpreise nicht nur aufgrund grösseren Personalbedarfs und besserer Arbeitsbedingungen für die Angestellten steigen (schliesslich sind wir nicht in China), sondern auch wegen der Umweltbelastung. Und zwar drastisch.

26. Mai 2007

Achter Spieltag


Sieben Spiele und nur ein Tor. Letzter Tabellenplatz.

Am achten Spieltag gelang dann AIK endlich der erste Sieg. Im Duell der Aufsteiger setzte sich der Gastgeber auf Skytteholms IP mit 2:0 gegen Falköping durch. Die ganz in rot spielenden Gäste imponierten dennoch durch schnelles Passspiel, gutes Verständnis der Offensivkräfte. Die Abwehr dagegen sehr unsicher, was zu den beiden Toren von Jessica Julin und Nazanin Vaseghpanah führte.

Auf dem Foto eine der besten Gastspielerinnen - Camilla Sanderheim beim Eckball.

Morgen spielen Djurgården - Malmö um Platz zwei und QBIK - Hammarby um Punkte im Kellerduell.

Shopping in Skärholmen

Die schwedische Sportwarenhauskette Stadium feiert 2007 ihr 20-Jähriges Jubiläum. Und lockt natürlich mit dem einen oder anderen Schnäppchen in ihre Filialen im ganzen Land. In Skärholmen erstand ich ein Paar "Street Shoes" der amerikanischen Marke Converse für schlappe 299 Kronen, heruntergesetzt von einst 799 Kronen.

Made in China.

Und das kauft man dann und profitiert von der Globalisierung, denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben die jungen Frauen, die den Schuh hergestellt haben, keinen Tarifvertrag. Sie haben mit ziemlicher Sicherheit keine vier Wochen Jahresurlaub und auch keinen Achtstundentag. Und Samstag und Sonntag wird auch gearbeitet. Für den Aufschwung. Für das Vaterland. Und für den Profit einiger weniger. Und für die kurzfristige Freude des Konsumenten in Schweden oder woauchimmer, ein Schnäppchen gemacht zu haben, auf Kosten anderer.

24. Mai 2007

Sehenswerter Fussball am Kanalplan


Der sechste Spieltag der Damallsvenskan in einer "englischen" Woche brachte mit der Begegnung von LdB Malmö - Umeå zwei der Spitzenteams zusammen. Der schwedische Meister gewann dieses Auswärtsspiel mit 2:1 und hat nach sechs Spielen nun optimale 18 Punkte.

QBIK mit der deutschen Spielerin Jennifer Meier unterlag nur knapp mit 0:1 bei Örebro. Überraschend führte Aufsteiger Falköping zur Halbzeitpause mit 1:0 in Göteborg, aber die zweite Hälfte gehörte dann ganz den Gastgeberinnen, von deren fünf Toren vier von den Schwestern Schelin erzielt wurden - dreimal Lotta und einmal Camilla.

Sunnanå beisst sich in der oberen Hälfte fest und holte einen Punkt in Uppsala beim 2:2 gegen Bälinge. AIK unterlag abermals ohne einen Treffer zu erzielen - dieses Mal 0:2 in Linköping.

Heute Abend kam es dann zu einem von sechs Stockholmer Derbys in dieser Saison. Dabei siegte die routiniertere Elf von Vizemeister Djurgården mit 2:1 bei den Grünweissen von Hammarby. Elin Ekblom und Victoria Svensson trafen für die Gäste, während das sehenswerteste Tor des Abends auf das Konto von Jessica Landström ging, die eine scharfe Flanke von Andrea Comaneci volley zum Anschlusstreffer versenkte. 1001 Zuschauer sahen ein alles in allem sehenswertes Erstligaspiel.

Apropos routiniert: Das Durchschnittsalter der Startelf auf beiden Seiten war bei Hammarby 24,0 und bei Djurgården 27,4 Jahre. "Gammal var äldst" konstatiert deshalb das Svenska Dagbladet und auch weil Hammarby mit etwas provozierenden Slogans für seine jeweiligen Heimspiele wirbt.