3. Juli 2007

Dilba durfte nicht fliegen

Die schwedische Sängerin Dilba wollte gestern Morgen nach Las Vegas fliegen. Als Sicherheitskräfte die Frau kurdischer Abstammung fragten, was der Zweck ihres Aufenthalts sei, antwortete sie scherzhaft, sie wolle Flugzeuge in die Luft sprengen.

Worauf sie nicht in die Maschine der US Airways gelassen wurde. Angaben der Sängerin, sie dürfe nun nie mehr mit US Airways fliegen, widersprach die Pressesprecherin der Airline. Dilba sei nur von dem aktuellen Flug ausgeschlossen worden.

Die Sängerin fliegt heute nach Nevada.

Wie dumm kann man sein? Dilba sollte sich aufs Singen beschränken...

Annuals: Brother

Aus Amerika kommt diese Band, die mit dem Album "Be He Me" jetzt debütiert hat. Ungewöhnliche Popklänge einer Formation, die gekommen ist, um zu bleiben...

2. Juli 2007

Zeugen in Angst - Rechtssicherheit in Schweden akut gefährdet

Ein beispielloser Fall. Und doch Beispiel für viele andere.

In der Neujahrsnacht wird im Stockholmer Vorort Hägersten nach Streitigkeit ein 24-Jähriger Mann getötet. Es gibt mehrere Zeugen, darunter eine 24-Jährige Frau. Von Beginn an gibt es Drohungen gegen die Zeugen, die bereit sind, gegen die Tatverdächtigen auszusagen.

Die 24-Jährige Frau wird im April überfallen und misshandelt. Die Polizei gewährt ihr daraufhin Zeugenschutz, kommt aber nach wenigen Wochen zu der Erkenntnis, dass keine Gefahr mehr besteht. Die Zeugin hat jedoch weiterhin Angst und flüchtet auf eigene Kosten und ohne Schutz ins Ausland. Als ihr das Geld ausgeht, muss sie zurückkommen. Keine 48 Stunden später wird die Frau überfallen und schwerstens misshandelt, als sie mit ihrer 4-Jährigen Tochter am hellichten Tag einen Park besuchen will. Die beiden Angreifer schreiben ihr das Wort "död" (Tod) auf den Rücken und können unerkannt flüchten.

Der Schutz von Zeugen, die bereit sind, gegen kriminelle Gewalttäter auszusagen, ist in Schweden nahezu unbedeutend. Drohungen und Gewaltakte gegen Zeugen von Kapitalverbrechen sind in den letzten Jahren um mehrere Hundert Prozent gestiegen.

Eine Gesellschaft, die nicht willens oder in der Lage ist, ihre Bürger vor solchen Aktionen zu schützen, muss sich fragen lassen, wie es um die Rechtssicherheit bestellt ist.

Polizei und Justizbehörden müssen die Verantwortung übernehmen und ihr Möglichstes tun, dass Gewaltverbrecher dahin kommen, wo sie hingehören: Hinter Schloss und Riegel.

In Schweden hat sich die Rechtssicherheit verabschiedet.

29. Juni 2007

Freitagmorgen in London

Heute Morgen wurde am Londoner Haymarket eine Bombe gefunden, berichtet der SPIEGEL. Ich bin selber zur Zeit in London und habe vier U-Bahnstationen entfernt übernachtet.

Während des Freitags ist die Stimmung in der britischen Hauptstadt aber nur leicht gedämpft. Es scheint, als habe man sich an die wiederkehrenden Versuche, durch Terror hunderte von Menschenleben auszulöschen gewöhnt und als wolle man den Fanatikern trotzen, die Verstümmelung und Tod im Schilde führen.

In Kensington sind die Kneipen am Freitagabend voll, obwohl inzwischen bekannt wurde, dass man eine zweite Autobombe in der Nähe der Discothek Tiger Tiger gefunden hat. Die Machart, so Scotland Yard, erinnert an die Autobomben, mit denen täglich in Bagdad operiert wird.

Dass es zu keiner Katastrophe am Freitagmorgen kam, beruht auf mehreren glücklichen Zufällen.

Gegen zwei Uhr morgens fuhr ein grüner Mercedes neben dem Tiger Tiger gegen mehrere Mülltonnen, ein Mann sprang aus dem Auto und verliess fluchtartig die Szene. Währenddessen waren Sanitäter in unmittelbarer Nähe damit beschäftigt, einen Mann zu verarzten, der gestürzt war. Einer der Sanitäter bemerkte, dass aus dem Mercedes Rauch oder Dampf aufstieg und rief die Polizei an.

Die Polizisten bemerkten sofort, dass in dem Wagen mehrere Treibstoffkanister, Propangasflaschen und zahllose Nägel deponiert waren. Einer der Polizisten entschärfte die Bombe, die durch Mobiltelefone ausgelöst werden sollte.

Die Explosion hätte einen Feuerball in der Grösse eines Einfamilienhauses verursacht und in der Discothek zu vielen Toten und schwerst Verletzten geführt. Der zweite Wagen stand in der Nähe, der Zünder war auf ca. 15-20 Minuten nach der ersten geplanten Detonation gestellt und sollt vermutlich Feuerwehrleute und Polizisten töten.

In Grossbritannien wurde inzwischen auch nach dem Anschlag am Samstag auf den Flughafen in Glasgow die höchste Alarmstufe ausgerufen. Tausende von Polizisten sind auf der Jagd nach den Tätern, bisher gab es fünf Festnahmen.

25. Juni 2007

Immer mehr Abtreibungen bei Mädchen in Schweden

In den 70er Jahren hatten Filme wie „Sechs Schwedinnen in Oberbayern“ Hochkonjunktur. Sie waren Ausdruck einer völlig verklemmten deutschen (bayrischen) Sexualmoral und vermittelten Otto Normalverbraucher das Bild, dass die blonde 19-Jährige Schwedin sich nach nichts mehr sehnt, als von einem Lederhosen-Casanova in den Spätfünfzigern mal so richtig rangenommen zu werden.

Trotz des zugegeben recht flachen Inhalts und einer noch schlechteren Machart haben die Filme offenbar bei den Deutschen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, denn in der sexuellen Revolution, die von solch illustren Gestalten wie Oswald Kolle und Beate Uhse maßgeblich vorangetrieben wurde, wollte man zum relativ ungehemmten Ausleben der Sexualität wie das in – ja Schweden vorgelebt wurde.

Pornos aus Schweden und Dänemark taten ein Übriges und bis in die Achtziger Jahre reisten ganze Heere von echten und eingebildeten Testosteron-Hengsten aus vor allem Italien zwischen 16 und 26 nach Schweden, um während des mehrwöchigen Interrail-Urlaubs möglichst viele Blondinen flachzulegen, die ja nichts Anderes im Sinn zu haben schienen, als möglichst oft, möglichst ungeschützt und von möglichst vielen begattet zu werden.

All diesen dumpfbackigen Männerwunschtraumklischees scheint nun eine Zahl recht zu geben, die erschreckend ist: Seit 1995 haben in Schweden Abtreibungen bei minderjährigen Mädchen um 50% zugenommen. Fast scheint es, als würde Abtreibung in Schweden, ähnlich wie im Russland der frühen 90er Jahre, als wirksamstes Verhütungsmittel eingesetzt werden. Dabei fehlte den Russen zu jener Zeit jenes vielfältige Angebot an Kondomen, die einem im Schwedenland eigentlich an jeder Kasse feilgeboten werden.

Woran liegt es nun, dass so viele Mädchen einen medizinischen Eingriff über sich ergehen lassen müssen, der nicht nur physisch Spuren hinterlässt, sondern vor allem die Psyche von heranwachsenden weiblichen Erwachsenen unnötig belastet?

Åsa Regnér, Generalsekretärin des schwedischen Reichsverbands für sexuelle Aufklärung (RFSU): „Obwohl Sexualkunde in der Schule in Schweden seit fünfzig Jahren obligatorisch ist, haben lediglich fünf Prozent eine Ausbildung hierfür.“.

Eine Rolle spielt sicher auch, dass wir Menschen dazu neigen, Unangenehmes zu verdrängen. In den 80er Jahren wurde AIDS zum großen Thema, zunächst scheints nur für Homosexuelle, dann aber auch für alle Heteros und an jeder Straßenecke verteilten wohltätige Organisationen und ums Volkswohl besorgte Behörden gratis Kondome in allen Neonfarben. Knapp zwei Jahrzehnte neigen wir dazu, zu glauben, dass zwar in Afrika ganze Staaten vor sich hinsiechen, HIV aber in Europa kaum noch ein Thema ist.

Gleiches mag für Verhütung gelten. Schwangere werden andere, aber nicht die Rosi. Junge Schwedinnen haben nach Angaben von Experten keine Ahnung, wie ihr Zyklus funktioniert.

Hinzu kommt ein stets wachsender Druck auf junge Menschen. Besonders heranwachsende Jungs erfahren Aufklärung vor allem durch Millionen von Internetseiten voller Pornographie. Für viele wird der Sexualkundeunterricht von der Schule ins WWW verlegt. Mädchen mögen demnach alle Analverkehr mit anschließender Gesichtsbesamung.

Der Druck in den Peer-Groups der Gleichaltrigen ist auch nicht zu unterschätzen. Man muss schlank und schön sein. Auf Internetportalen wie www.snyggast.se oder www.hot-or-not.de zeigen Mädchen (und Jungs) oft viel Haut und lassen sich bepunkten. Bei Snyggast „führt“ zur Zeit eine 15-Jährige die Top 20 an, die im hautengen, ärmellosen Top vor dem Rechner sitzt und mit Barbie-Bratz-Gesichtsausdruck zeigen will, dass sie sexy ist. Mindestens zwei der zahllosen Jungs, die Kommentare zu „stiligflicka“ abgegeben haben, wollen am liebsten noch heute via MSN und Webcam mit ihr in Kontakt kommen. Bilder werden abgespeichert und in etlichen Foren verbreitet – die sexualisierte Welt in Zeiten des Internet.

„Stiligflicka“ ist minderjährig und weiß eigentlich nicht, was sie tut, denn die Bilder, die sie ins Netz gestellt hat, sind prinzipiell nicht mehr wegzubekommen, auch wenn es in ihrem Fall noch recht harmlose sind.

Wichtig ist, dass die Schulen und Behörden ihrer Verantwortung gerecht werden, und eine zeitgemäße Aufklärung leisten. Dass die meisten Lehrer nicht in Sexualkunde ausgebildet sind, dass die meisten Lehrer nicht wissen, was Jugendliche in ihrer Freizeit machen und mit welchen Dingen sie in Berührung kommen, ist erschreckend und zeugt von einer Weltferne, die man in Altötting vermutet, aber nicht in Malmö oder Göteborg.

Und Eltern haben hierbei auch eine Rolle. Sie sollten sich damit beschäftigen, was ihre noch unmündigen Nachkommen denken und fühlen. Und was im Internet passiert, davon sollten sie auch einen groben Überblick haben. Denn Abtreibung ist unnötig und teuer – und vor allem schadet sie den Seelen der jungen Frauen, die damit klar kommen müssen. Mal abgesehen davon, dass man sich bei ungeschütztem Sex außer einer Schwangerschaft noch viel mehr einhandeln kann.

24. Juni 2007

Der Tag nach dem Mittsommertag

Für gewöhnlich schläft man am Mittsommertag recht lang und zieht nach einem ordentlichen Frühstück (sofern man nach dem Trinkgelage am Tag zuvor überhaupt was runter bringt) nach draussen in die Parks, den Wald, an den See oder ans Meer.

Für die Stockholmer war der gestrige Tag verregnet und windig. Man dachte an Herbst oder ans Winterende.

Während wir in Schweden feierten, was das Zeug hielt und Händchen haltend um die Mittsommerstange in unseren Nationaltrachten tanzten, tagten im Justus-Lipsius-Haus die Politiker und versuchten, die europäische Einheit irgendwie zu retten. Und Angela Merkel hat es dann doch irgendwie geschafft. Die widerborstigen polnischen Zwillingsbrüder Kaczynski - hat es das in modernen Demokratien eigentlich schon einmal gegeben, dass Brüder das Präsidenten- und Ministerpräsidentenamt erobert haben? - gaben scheinbar nach und ermöglichten der Angela, sechs Tage vor der Übergabe des Ratspräsidentschaftszepters, einen Triumpf. Allerdings wird das nun beschlossene Abstimmungsverfahren, dem die östlichen Nachbarn Deutschlands sich so lange widersetzt hatten, erst 2014 eingeführt, wenn Merkel und Kaczysnkis vermutlich längst andere, wichtigere Aufgaben übernommen haben.

Gegen das Blog von Aussenminister Carl Bildt gibt es jetzt eine Voruntersuchung, weil einer seiner Leser in einem Kommentar einen Volksmord an den Palestinensern gefordert hatte. Staatsanwalt Jörgen Lindberg in Malmö dazu: "Hat man ein Blog, in das Kommentare eingetragen werden können, hat man auch die Verantwortung, es sauber zu halten. Alles, was strafbar ist, z.B. Volksverhetzung, muss heruntergenommen werden."

Unabhängig davon, wie die Sache ausgeht, ist die Verantwortung von Bloggern damit deutlich geworden. Beleidigungen, rassistische Äusserungen etc. als Kommentare in einem Blog müssen vom Betreiber des Blogs herausgenommen werden. So wird auch "Frisch gebloggt" künftig verfahren.

20. Juni 2007

Schon wieder Krawalle

Beim Lokalderby zwischen Hammarby und Djurgarden in der schwedischen Fußballliga Allsvenskan gab es gestern Abend erneut handfeste Auseinandersetzungen. Mehr dazu später.

16. Juni 2007

Halbzeit


Nach elf Spieltagen und zweieinhalb Monaten ist Halbzeit in der Damallsvenskan. Zeit ein wenig Bilanz zu ziehen und das Geschehene mit den Prognosen und Erwartungen zu vergleichen.

Ich habe zwölf Spiele mit insgesamt elf Mannschaften gesehen, lediglich Linköpings mit so grossen Erwartungen gestartete Elf habe ich noch nicht gesehen.

Es gab viele, die vor der Saison geschrieben haben, dass Titelverteidiger Umeå in diesem Jahr nicht so stark sei wie im vergangenen. Sicher, Anna Sjöströms und vor allem Malin Moströms Rücktritt hatten Lücken hinterlassen. Hinzu kam, dass mit Sofia Lundgren, Sanna Valkonen und Anne Mäkinen weitere tragende Stützen das Team verlassen hatten. Aber man hatte sich entsprechend verstärkt im Norden. Aus Sunnanå kam Madelaine Edlund, aus der Schweiz das junge Talent Ramona Bachmann und sensationell aus China die 19-Jährige Ma Xiaoxu.

Dass Djurgården mitspielen wurde um die Spitze schien den Experten klar, der etwas überraschende Weggang von Laura Kalmari sollte durch die von Hammarby kommenden Emma Lundh und Linda Forsberg aufgefangen werden. Hinzu eine ebenfalls spektakuläre Neuverpflichtung auch in Stockholm. Mit Ariane Hingst spielt erstmals eine deutsche Weltmeisterin in der schwedischen Liga. Die 27-Jährige hatte einen 2-Jahresvertrag unterschrieben.

Malmö und Linköping wurden genannt, vor allem Linköping sah sich selbst als klaren Konkurrenten für Umeå. Bei beiden Clubs spielen jeweils fünf schwedische Nationalspielerinnen, die beiden ersten in der Liga gleichen das durch ausländische Stars aus. Malmö kam ins Gespräch. Der hoch verschuldete Club Malmö FF, der dem grossen Verein angehörte, wechselte kurz nach Beginn der Saison den Namen und heisst jetzt LdB Malmö FC. Neben neuem Logo und Namen führte das auch zu neuen Trikots und Socken, jeweils in Rosa, was dem Klischee, dass sich viele vom Frauenfussball machen wollen, ganz nahe kommt.

Linköping sorgte für die Überraschung. Das mit Stars wie Frida Östberg, Josefine Öqvist gespickte Team verlor seine ersten vier Spiele und verabschiedete sich damit sicher vom Kamp um die Meisterschaft. Trotz teils sehr guter Leistungen beim 0:2 gegen Umeå ist das mehr als peinlich, insbesondere, wenn man vorher den Mund so weit aufgemacht hat.

QBIK uberraschte mich im Auswärtsspiel bei Djurgården, das man zwar 1:3 verlor, aber das Team bot eine so kompakte Leistung, basierend auf einem funktionierenden Mannschaftsgefüge und einer taktisch glänzend aufgestellten Elf, dass ich zwar mit meiner These Recht behielt, dass das Team nicht so lange wie 2006 au den ersten Sieg warten müsste – am Ende der Tabelle stehen sie nach elf Runden denn doch. Au dem Weg dorthin ist Falköping. Der Aufsteiger hatte fulminant begonnen, hat auch mit Sandra Krantz und Linnea Liljegärd sowie der neu hinzugekommenen Nigerianerin Cynthia Uwak gute Offensivkräfte, die Abwehr aber ist erschreckend schwach. 0:2 verloren sie auf Skytteholms IP gegen AIK, dem sonst in zehn weiteren Spielen nur ein Tor gelang.

AIK Solna. Aufsteiger. Souveräner Sieger in der Norrettan des Vorjahres und dann mit sicherlich beträchtlichem finanziellen Aufwand für die Verhältnisse im Frauenfussball verstärkt mit Sofia Lundgren im Tor, Sanna Valkonen und Jessica Juhlin in Abwehr und Mittelfeld und vorn mit Laura Kalmari. Von Djurgården kamen auch Linda Lekander und Sofia Simonsson, zwar nicht erste Wahl beim Vizemeister, aber immerhin.

Selbst nach elf Spielen versucht Trainer Jörgen Zetterström immer noch Optimismus zu verbreiten. Es bestehe kein Grund zur Sorge. Nach dem ersten Spiel gegen Djurgården (0:3) war ich mir sicher, diese Truppe muss sich nur einspielen, das braucht ein paar Wochen. Elf Spiele haben nicht gereicht in Solna ist etwas grundlegend falsch. Es gibt Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfussball – einer davon ist, dass man bei den Männern dem Trainer nach einer solch enttäuschenden Hinserie schon Feuer unter dem Stuhl gemacht hätte. Wenn bei AIK nicht bald der Knoten platzt, kann es zu spät sein und dann wird der Verein bei einem weiteren Jahr in der zweiten Liga sicher nicht noch einmal so viel Geld investieren wollen.

Umeå marschierte dann doch wie gewohnt. Zwar war Hanna Ljungbergs Saison immer wieder durch Verletzungen unterbrochen, aber dennoch gelangen ihr acht Tore. Das Women's Cup Finale gegen Arsenal London als haushoher Favorit angetreten, endete mit einer Niederlage, ebenso wie das letzte Spiel der Hinrunde gegen Djurgården. Aber im Ganzen gesehen ist Umeå nach wie vor relativ unbestritten das beste Team der Liga. Der wesentliche Unterschied ist Marta Vieira da Silva. Die Brasilianerin spielt in der besten Liga der Welt, aber eigentlich alleine in einer anderen Liga. Sie hebt den Frauenfussball in eine neue Dimension und ist ihrer Zeit voraus. Überragende Technik, unbändiger Ehrgeiz, aber sie ist nicht nur die technisch versierteste, sie ist auch die schnellste Spielerin der Damallsvenskan und dazu noch ungeheuer zweikampfstark. Martas 14 Tore in elf Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Statistisch liegt mir nicht vor, wie viele weitere Treffer ihrer Mannschaftskameradinnen sie vorbereitet hat.

Vier Punkte beträgt der Abstand auf Djurgården, das sich nach dem Auswärtssieg in Umeå, der ersten Niederlage in einem Ligaspiel der Nordschwedinnen nach 56 Begegnungen, Hoffnungen macht. Aber trotzdem wäre Djurgården auf Mithilfe angewiesen und dürfte selber keine Punkte mehr abgeben. Und das wird nicht eintreten. Djurgården verlor in Göteborg, wo Lotta Schelin einen Hattruick erzielte und gab wichtige Punkte gegen Bälinge und Sunnanå ab.

Sehr stark ist Malmö. Wie Linköping mit fünf blaugelben Nationalspielerinnen ausgestattet, dazu aber noch mit den beiden Sturmspitzen Helgadottir und Melis. Die Stärken der Isländerin sind hinreichend bekannt. Die junge Holländerin Manon Melis wird in der Liga noch von sich reden machen. Fünf Tore in der Hinrunde – Melis ist pfeilschnell, explosiv und eine klare Verstärkung. Malmö kann die Meisterschaft mit beeinflussen, aber nicht gewinnen, der Rückstand ist zu gross.

AIK hat gezeigt, dass massive Verstärkungen nicht notwendigerweise zum Erfolg führen, wenn es nicht gelingt, daraus ein Kollektiv zu bauen. Bälinge hat das Gegenteil bewiesen. Im vergangenen Jahr noch mit einer mageren Torausbeute, in dieser Saison spielt Bälinge in der oberen Hälfte mit und liegt völlig zu Recht auf Rang 5. Es sind die Finninnen, die hier am meisten aufallen, die hervorragend miteinander kombinieren. Heidi Matinlassi, Anne Mäkinen, Sanna Talonen und Katri Nokso-Koivisto sind das Quartett, das Bälinge einen deutlichen Schub gegeben hat – das jetzt im zehnten Spiel gar noch wie im Vorjahr die Amerikanerin Kacey White hinzugestossen ist, macht das Team noch stärker.

Hammarby hatte vor der Spielzeit mit Emma Lundh und vor allem Linda Forsberg zwei seiner Nachwuchshoffnungen an Djurgården abgegeben und dazu noch den Trainer gewechselt. Der charismatische En Perlskog fehlt nicht nur dem Publikum am Kanalplan auf Södermalm mit seinem Temperament und seinen humorvoll-bissigen Kommentaren, er scheint auch dem Team zu fehlen. Zur Halbzeit ist Hammarby lediglich neunter mit Siegen nur gegen Falköping und bei QBIK. Das ist zu wenig, der Anspruch ist höher und angesichts eines recht ausgeglichen stark besetzten Teams mit guten Offensivkräften muss mehr drin sein. Jessica Landström und Sara Johansson nutzen ihre Torchancen zu wenig und Riesentalent Louise „Lollo“ Fors (siehe Foto) hat sich in dieser Saison bislang nicht weiterentwickelt. Aber die bald 18-Jährige geht noch zur Schule und man darf nicht vergessen, dass die beruflichen Voraussetzungen bei Männern und Frauen gravierend unterschiedlich sind. An Lollodinho wird der schwedische Frauenfussball sicher noch viel Freude haben.

Dass Göteborg im Konzert der grossen mitspielen kann, hatte man erwartet, das Team ist aber zu unbeständig. Glanzvolle Siege wie der (glückliche) gegen Djurgården stehen teils hohe Niederlagen z.B. in Örebro gegenüber. Der Auftritt der Westschwedinnen bei AIK endete zwar mit einem 2:0-Sieg, war aber nicht sonderlich überzeugend.

Der Abstiegskampf wird sich in der Rückrunde vor allem um Falköping, QBIK und AIK drehen. Sollte der Knoten bei AIK platzen, wird es fast unmöglich für die beiden anderen. Dabei spielen Falköping und QBIK beide sehr gefälligen Fussball und können prinzipiell fast allen Teams Punkte abnehmen. Aber besonders die Defensive weist markante Schwächen bei beiden Vereinen auf.


Alles andere als ein Hattrick von Umeå wäre eine Überraschung. Aber davor gibt es noch mehrere Pausen, u.a. eine lange mit der WM in China im September