31. März 2010

13. Juli 2009

Rund 250 Millionen €

will der schwedische Einzelhandel im nächsten Jahr umsetzen mit Artikeln rund um die Hochzeit des Jahrhunderts, wenn die wunderbare Victoria, Kronprinzessin von Schweden, ihren herrlichen Daniel ehelichen wird.

Eins der ersten Produkte ist schon raus: Ein Putzlappen zum Abwaschen mit dem Konterfei der Liebenden.

12. Juli 2009

Mord an Catrine da Costa ist verjährt

Mord in Schweden verjährt nach 25 Jahren, anders als in Deutschland. Gestern lief die Frist in einem der spektakulärsten Kriminalfälle des vergangenen Jahrhunderts ab. Sollte der Mörder noch leben, könnte er sich nun zu erkennen geben und ungestraft berichten, wie er vor 25 Jahren sein Opfer ermordet und zerstückelt hat und wo er die noch fehlenden Körperteile versteckt hat.

Catrine da Costa war schwedische Staatsbürgerin, Mutter zweier Kinder und geschieden nach einer Ehe mit einem Portugiesen. Sie war drogensüchtig und finanzierte ihre Sucht durch Prostitution An Pfingsten 1984 (am 10.06.1984) verschwand sie spurlos. Etwas mehr als einen Monat später fand man Plastiksäcke mit Leichenteilen unter einer Autobahnbrücke am Essingeleden in Stockholm. Wenige Tage später wurden gut einen Kilometer weitere Leichenteile gefunden.

Bis heute fehlen der Kopf, eine Brust und innere Organe des Opfers. Aufgrund dessen konnte die Todesursache nie festgestellt werden.

Im Dezember 1984 nahm die Polizei einen Pathologen fest, der in Solna arbeitete und erwiesenermassen Kunde von Prostituierten auf der Malmskillnadsgatan, dem Stockholmer Strassenstrich in der Innenstadt, gewesen war.

Fünf Tage später wurde der Mann aufgrund mangelnder Beweise wieder freigelassen. Im Januar 1988 wurden der Pathologe und ein Allgemeinmediziner des Mordes an Catrine da Costa angeklagt und im März wegen Mordes verurteilt. Aufgrund mehrerer Verfahrensfehler (Geschworene hatten sich noch vor der Urteilsverkündung von der Abendzeitung AFTONBLADET interviewen lassen; aufgrund der fehlenden Leichenteile konnte die Todesursache nicht festgestellt werden, weshalb die Möglichkeit nicht auszuschliessen war, dass da Costa eines natürlichen Todes starb) wurde der Prozess im Mai 1988 wieder aufgerollt und die beiden Ärzte wurden des Mordes freigesprochen. Allerdings war das Gericht der Auffassung, dass die beiden Mediziner die Leiche da Costas zerstückelt hatten. Der Tatbestand der Leichenschändung war zu diesem Zeitpunkt verjährt, die beiden Ärzte gingen allerdings ihrer Approbationen verlustig, die von der entsprechenden Behörde eingezogen wurden.

Auf einem Handtuch, das man bei den sterblichen Überresten da Costas gefunden hatte, befanden sich Haare, die weder dem Opfer noch den Ärzten zuzuordnen waren. Im Frühajr 2009 wollte die Polizei, dass das Krankenhaus in Huddinge die DNA-Probe eines gelernten Schlachters herausgeben sollte, um die DNA zu vergleichen. Das Krankenhaus weigerte sich und erhielt Zustimmung von einem Amtsgericht. Die letzte Chance, den Fall zu lösen, war vertan. Der Schlachter war 2008 an Krebs gestorben und gehörte 1984 zu den Freiern auf der Malmskillnadsgatan. Er war wegen schwerer Körperverletzung vorbestraft und hatte schon einmal eine Frau ermordet und zerstückelt.

Auf der schwedischen Seite Newsmill schreibt heute der Journalist Patrick Nyberg, der sich jahrelang intensiv mit dem Mord befasst hat. Er behauptet, dass das Rechtssystem in Schweden kein Interesse an der Aufklärung des Falles hatte und klagt eine Reihe von Personen an, durch den Fall Karriere gemacht zu haben. Eine Kriminalinspektorin hat ihre Examensarbeit über den Fall geschrieben und nach Angaben von Nyberg hätte eine andere Entwicklung des Falles dazu geführt, dass die Theorien der Kriminalbeamtin in sich zusammen gefallen wären. Die Polizistin habe nachweislich Kenntnis davon gehabt, dass ein Mann, der zu den Kunden von da Costa gehörte, in der Nähe des Fundortes gewohnt habe. Man hätte sich aber nie bemüht, die DNA des Mannes oder des oben erwähnten Schlachters mit den vorhandenen Spuren zu vergleichen, da sowohl die Polizistin wie auch der Betreuer ihrer Examensarbeit davon ausgingen, dass die beiden Ärzte schuldig gewesen seien.

Ein der beispiellosesten Rechtsskandale der schwedischen Justiz und das Versagen der Polizei.

4. Juli 2009

Freispruch in letzter Instanz - Vergewaligungsopfer werden es in Schweden künftig schwerer haben

Zwei Männer, die in niedrigeren Instanzen wegen Vergewaltigung verurteilt worden sind, wurden gestern vom höchsten Gericht des Landes freigesprochen. Die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Opfer reiche nicht aus, es müsse mehr Beweise geben.

Rein logisch scheint das nachvollziehbar. Allerdings ist die Beweislage in Vergewaltigungsfällen oft dünn, Aussage steht oft gegen Aussage. Mädchen und Frauen schämen sich, sind zutiefst gedemütigt und gehen nicht immer gleich zur Polizei.

Das Urteil wird dazu führen, dass die Dunkelziffer von Vergewaltigungen in Schweden erheblich steigen wird, da Opfer wissen, dass ihre Chance, Gerechtigkeit zu bekommen, nun erheblich gemindert sind. Ein Rückschritt für den Schutz des Individuums und ein Spruch, der letztlich pro Täter ist.

27. Januar 2009

"Sollte ich?"

fragte der amerikanische Autor John Updike den Journalisten, der ihn gefragt habe, ob er schon mal etwas von Elfriede Jelinek gelesen hatte, die das Stockholmer Komitee gerade mit dem Nobelpreis bedacht hatte. Und wieder einmal nicht ihn selber, einen der grössten Romanciers in der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Jetzt ist es zu spät. John Updike starb heute, im Alter von 76 Jahren, an Lungenkrebs. Wikipedia ist brutal aktuell und die englische wie die deutsche Seite ist schon mit dem Todesdatum aktualisiert worden...aus ist wurde war. War stets ein Kandidat für den Nobelpreis, hat ihn aber, wie so viele grosse Autoren, nie bekommen könnte man ergänzen..

Ich habe über John Updike eine Proseminararbeit geschrieben und neben dem Romanautor auch einen Meister der Kurzgeschichte kennen gelernt. Seine Sammlungen "A & P", "Pigeon Feathers", "Olinger Stories" und "The Music School" gehören zu den besten short stories, die ich je gelesen habe.

13. Januar 2009

Eine wahre Geschichte

nannte Bestsellerautorin Liza Marklund ihr vor einigen Jahren erschienenes Buch "Gömda" (Deutsch: Mia. Ein Leben im Versteck). Die Krimiautorin war schon reich, aber "Gömda" verkaufte sich in Schweden rund 800.000 mal.

Es ist die Geschichte einer Schwedin, die sich in einen Araber (der Mann mit den schwarzen Augen im Buch) verliebt, Kinder von ihm bekommt und nach einiger Zeit unzähligen Misshandlungen und Verfolgungen nach der Trennung ausgesetzt ist.

Marklund setzte sich damit in die vorderste Reihe derer, die Misshandlung von Frauen in der Ehe oder Beziehung anprangern.

Der Mann mit den schwarzen Augen habe unverzeihlich gehandelt und seine Missetaten könnten nciht durch die Strafe des Gesetzes gesühnt werden, sagte sie.

Das hinderte sie nicht, sich im Herbst einen literarischen Agenten zu beschaffen, der seine ehemalige Frau beweislich immer wieder misshandelt hat.

Und jetzt hat Marklund noch mehr Probleme, da eine schwedische Journalistin nachgewiesen hat, dass ihr Buch "Gömda" in etlichen Punkten eben nicht eine wahre Geschichte, sondern pure Fiktion schildert.

Und Marklunds Position in der Reihe der vorderen Kämpfer gegen Misshandlung von Frauen wankt bedenklich. Jetzt steht sie da als eine selbstverliebte Autorin, die vor allem eines mit ihrem Buch bezweckte: Geld verdienen. Viel Geld. Geschadet hat sie damit vor allem denen, für die sie sich angeblich einsetzt. Einräumen musste Marklund mittlerweile, dass der Untertitel von Gömda eben eine wahre Geschichte zu sein, nicht glücklich gewählt sei. Geld wird ihr dafür aber gottlob nicht abgezogen. Verkauft ist nun mal verkauft, auch wenn die Moral auf der Strecke bleibt.

12. Januar 2009

Marta

heisst zum dritten Mal nacheinander die beste Fussballspielerin der Welt. Franz Beckenbauer überreichte der Brasilianerin die Trophäe, die sie verdient wie keine andere, obwohl grosse Spielerinnen wie Cristiane, Nadine Angerer und Kelly Smith die Konkurrentinnen waren.

Vor der Verleihung teilte Marta mit, dass sie dieses Jahr für Los Angeles Sol spielen werde. Nicht mehr unerwartet, nachdem Freundin Johanna Frisks Wechsel dorthin bereits vergangene Woche bekanntgegeben worden war.

Zum letzten Mal sehen konnten wir Marta in Stockholm am 22.10.2008 beim Pokalhalbfinale gegen Djurgården, wo sie das 4:3 in der Verlängerung für Umeå schoss. Vier Jahre hat sie den schwedischen Ligafussball belebt.

Ich habe zweimal mit ihr reden können und eine sympathische, fast schüchterne Frau kennengelernt, die den Frauenfussball in eine andere Dimension geführt hat.

Changeling


Clint Eastwood jr. wird im Mai 79 Jahre alt. Müde ist der alte Mann allerdings überhaupt nicht. Er gehört zu den wichtigsten Regisseuren des gern gescholtenen Hollywood-Kinos.

In Changeling (in Deutschland am 07.11.2008 angelaufen unter dem Titel "Der fremde Sohn"; Schweden-Premiere vergangenen Freitag) erzählt Eastwood eine wahre Geschichte.

Der 9-Jährige Sohn der alleinstehenden Mutter Christine Collins (Golden Globe-nominiert: Angelina Jolie) verschwindet spurlos. Die korrupte Polizei von LA bringt der Mutter nach fünf Monaten das falsche Kind zurück. Als sie versucht, der Polizei klarzumachen, dass das Kind nicht ihres ist, stösst sie auf taube Ohren, wird gar in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen, aus der sie von einem polizeikritischen Pastor (John Malkovich) herausgeholt wird.

In einer Nebenhandlung findet die Polizei über einen entlaufenen Jungen die Ranch eines Mannes, der nach Aussagen des Jungen ca. 20 Jungs ermordet hat. Einer davon war Walter Collins.

Eastwoord zeigt uns die "Behandlung" von Christine Collins mit ebensolcher detailgetreuer Grausamkeit wie die Hinrichtung des Massenmörders. Die aufbegehrende Frau wird als hysterisch eingestuft und solche Frauen gehören nach § 12 in die Klinik.

Die Geschichte ist mit ihren Originalnamen sehr detailgetreu verfilmt. Eines jedoch haben die Filmemacher ausgelassen. Der Mörder Gordon Northcott hatte bei seinen Greueltaten die Hilfe seiner Mutter, die sich später als seine Grossmutter herausstellte, seine Schwester war seine Mutter. Die Morde gingen unter dem Titel Wineville Chicken Coop Murders in die amerikanische Kriminalgeschichte ein.

Eastwoods Film nach dem Drehbuch von J. Michael Straczynski fokussiert jedoch auf der nach ihrem Sohn verzweifelt suchenden Mutter und zeichnet vor allem das Porträt einer jungen, selbstbewussten Frau in einer frauenfeindlichen Zeit in einer Demokratie, in der die Polizei mit undemokratischen Methoden Kritiker ins Irrenhaus sperren konnte.

Angelina Jolie ist so gut, dass man sie gar nicht unbedingt erkennt. Oscar-Nominierung nicht ausgeschlossen. Ein harter, realistischer Film, der den uschauer nicht schont, der kein Happy-End hat, der aber wie alle Eastwood-Filme der letzten zehn Jahre weit besser als der Durchschnitt ist, mit dem sich Millionen von Menschen hierzulande und anderswo die Zeit totschlagen. Sehenswert.

P.S.: Changeling bedeutet Wechselbalg, das musste ich auch erst nachschlagen. In der Mythologie das Kind eines Trolls, das gegen ein Menschenkind ausgetauscht wurde.