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17. Oktober 2007

Vier Jahre für Vergewaltiger

In zweiter Instanz entschied gestern ein Gericht in Stockholm, dass zwei Männer (in den schwedischen Medien "Stureplanprofile" genannt) yzu je vier Jahren Haft wegen schwerer Vergewaltigung verurteilt werden.

In der ersten Instanz waren die Männer frei gesprochen worden. Sie hatten eine 19-Jährige, mit der sie schon früher Sex gehabt haben, gegen ihren Willen vergewaltigt und der jungen Frau dabei insgesamt 48 Verletzungen vor allem im Unterleib, u.a. schwere Blutungen im Analbereich zugefügt.

Die Frau hatte unmittelbar nach der Tat die Notrufzentrale verständigt, was das Gericht gestern als schwerwiegenden Beweis betrachtete. Die Männer hatten behauptet, dass die Frau freiwillig die Verletzungen zugelassen habe. Man hätte auch früher schon gewalttägigen Sex gehabt und sei sich einig gewesen.

Das Urteil erregt in Schweden grosse Aufmerksamkeit, weil lediglich in 10% aller Fälle Vergewaltigungen auch zu Verurteilungen führen. Viele Beobachter sehen ein eventuell bahnbrechendes Urteil, das Vergewaltigungsopfern Hoffnung macht, dass ein Nein auch Nein bedeutet und dass das schwedische Rechtswesen dies nun auch ausdrücklich so festlegt.

In Deutschland wären die beiden Täter nicht mit vier Jahren davongekommen. Das Strafgesetzbuch sieht beim Tatbestand der schweren Vergewaltigung eine Mindeststrafe von fünf Jahren vor. Höchststrafe sind 15 Jahre.

Das Gericht in Stockholm sprach in dem vorliegenden Fall die Mindeststrafe von vier Jahren aus. Höchststrafe für schwere Vergewaltigung in Schweden sind zehn Jahre.

17. August 2007

Widerlich

Und noch ein Kriminalfall aus den heutigen Nachrichten. Gestern wurde ein 10-Jähriges Mädchen in Tyresö, südlich von Stockholm, von drei ca. 17 Jahre alten Mädchen mit Fusstritten so schwer misshandelt, dass sie Blut erbrach. Die Mädchen sind nicht identifiziert und weiterhin auf freiem Fuss.

Bei der Tat gab es einen erwachsenen Mann als Zeugen, der jedoch nicht eingriff. Die Polizei sucht auch nach dem Mann.

Bereits vor vier Tagen war eine 13-Jährige in Tyresö von zwei unbekannten Mädchen misshandelt worden. Die Polizei schliesst nicht aus, dass es sich um dieselbe Gang handelt.

Dass immer mehr Mädchen gewalttätig werden, ist ein Trend, den die schwedische Polizei in den letzten Jahren festgestellt hat. Dass jetzt schon Kinder zu den Opfern werden, ist widerlich und abscheulich.

Dabei ist mir wirklich scheissegal (sorry) aus welchen schwierigen Familien die Mädchen kommen mögen. Es ist an der Zeit, dass man in Schweden auch einmal die Opferperspektive wahrnimmt und dass die Gesellschaft ihre Aufgabe ernst nimmt, die Menschen vor solchen gestörten Individuen zu schützen. Im schwedischen Rechtssystem haben minderjährige Gewalttäter eigentlich keine Konsequenzen zu erwarten.

XY ungelöst - Motorradgangs nehmen zu

Meine heutigen Blockeinträge erinnern an Eduard Zimmermanns Fernsehklassiker Aktenzeichen XY...

In Schweden sind zur Zeit drei Motorradgangs sehr aktiv. Sie bekriegen sich untereinander, handeln mit Waffen und Drogen und erpressen Schutzgeld von Inhabern kleiner Geschäfte.

Die schwedische Polizei hat festgestellt
, dass die Gruppe Outlaws markant zugenommen hat und befürchtet einen ähnlichen Bandenkrieg wie in den 90er Jahren, als es immer wieder zu Schusswechsel und sogar dem Einsatz von Panzerfäusten in Wohngebieten gekommen war - es gab mehrere Tote.

Schönheitschirurg vor Gericht

Vor einigen Wochen hatte ich hier über den Schönheitschirurgen aus Malmö berichtet, der sich nicht erklären kann, wie sein Sperma in die Vagina einer betäubten Patientin gekommen sein soll.

Der Fall hat sich inziwschen weiter entwickelt. Weitere Patientinnen des Mannes haben sich gemeldet und ihn wegen sexueller Belästigung und Vergewaltigung angezeigt.

Insgesamt handelt es sich um bis zu zwölf Frauen, die der Arzt missbraucht haben soll.

In Schweden kann er dennoch mit höchstens vier Jahren eine recht milde Strafe erwarten.

Flottsbro - zweite Leiche innerhalb eines Monats gefunden

Am 25. Juli hatte man im Feizeitgebriet Flottsbro in der südlich von Stockholm gelegenen Gemeinde Huddinge eine Frauenleiche gefunden - bis heute nicht identifiziert und nach Angaben der Pathologen ermordet. Heute nun wurde in dem Gebiet auch ein Mann gefunden. Polizeisprecher Björn Engström teilte mit, die Polizei werde eine Voruntersuchung wegen Mordes oder schwere Körperverletzung einleiten.

14. August 2007

Die Polizei, dein Freund und Helfer

Untätig sahen am Sonntag 30 Polizisten in Växjö zu, wie eine Massenschlägerei, in der eine Motorradgang beteiligt war, zu Körperverletzungen führte und Menschen misshandelt wurden. Wir waren einfach zu wenige, um einzugreifen, sagt Polizeichef Anders Karlsson.

Was für ein Armutszeugnis. Immerhin gibt es 30 Zeugen für die kriminellen Handlungen, falls es doch wider Erwarten zu einer Anklage kommt.

28. Juli 2007

Ein Fall für Wallander?

Ich lese gerne Krimis und im Moment einen sehr guten, der die Höchstwertung bekommen wird, und den ich hier noch vorstellen werde.

Aber manche Fälle im wirklichen Leben sind so unglaublich, dass nicht einmal Kurt Wallander, Alan Banks, Sherlock Holmes und Philip Marlowe viel dazu einfallen würde.

Ende Juni verhaftete die Polizei in Malmö einen Schönheitschirurgen. Er hatte einer 25-Jährigen Frau den Bauch gestrafft, die sogenannte "Bikini-Linie" wiederhergestellt.

Nach der OP befand sich im Körper der Frau Sperma des Arztes. Der Arzt widersprach und leugnete. Vor einigen Wochen schliesslich ergab eine DNA-Analyse, dass die im Unterleib der Frau "sichergestellten" Spermien dem Arzt zuzuordnen sind.

Die Staatsanwaltschaft klagt auf Vergewaltigung. Der Arzt lässt durch seinen Anwalt ausrichten, dass er keinen Sex mit der Frau gehabt habe und dass er erklären könne, wie seine Spermien in den Unterleib seiner Patientin gelangt seien. Auf diese Erklärung müssen wir allerdings noch ein Weilchen warten.

Der Arzt hatte die U-Haft nun satt und wollte bis zu einer eventuellen Verhandlung auf freien Fuss gesetzt werden, aber der Haftrichter entschied gestern auf zwei weitere Wochen U-Haft, nun aber mit Erleichterungen: Der Arzt darf nun Zeitungen lesen.

Die Klinik hat den Arzt inzwischen angezeigt, weil er die OP an der Frau ohne Anwesenheit von Narkoseärzten durchgeführt hat, was bei dieser Art von Operation zwingend vorgeschrieben ist.

Die 25-Jährige war während der OP lokal betäubt, aber bei Bewusstsein. Sie wird von der Anwältin Elisabeth Massi Fritz vertreten, die zu den besten Anwälten des Landes gehört.

Der Chirurg hatte behauptet
, dass das Narkosemittel in seltenen Fällen zu sexuellen Halluzinationen führen könne und die Frau ebensolche entwickelt habe. Die Anschuldigungen seien falsch. Bleibt abzuwarten, wie sein Sperma in den Unterleib der Frau gekommen ist.

Frisch gebloggt wird über den Ausgang des Falles berichten.

26. Juli 2007

Elf Jahre für Au-Pair-Mord

Der brutale Mord an dem Kindermädchen Jelena Ivanisevic wurde gestern mit einer Haftstrafe von elf Jahren und anschliessender lebenslanger Ausweisung aus Schweden geahndet.

Das Urteil umfasst auch eine Verurteilung wegen einer Vergewaltigung einer anderen jungen Frau in Göteborg und in Anbetracht der Schwere der Verbrechen scheint mir das Urteil recht milde zu sein.

17. Juli 2007

Staatsanwalt fordert lebenslänglich im Mordfall Ivanisevic

Am 12. April wurde das Kindermädchen Jelena Ivanisevic in der Toilette des Hauses, in dem sie arbeitete, in Handschellen ermordet aufgefunden. In diesen Tagen findet der Prozess gegen den dringend tatverdächtigen 25-Jährigen statt.

Der Staatsanwalt hat in seinem Plädoyer lebenslängliche Haft gefordert und beschrieb die Tat als ein äusserst brutales Verbrechen. Eine psychiatrische Untersuchung des Angeklagten ergab, dass er gesund sei. In Aftonbladet berichtet Gerichtsreporterin Johanna Melén, dass sich der Angeklagte merkwürdig aufführe. Er stehe permanent auf und setze sich wieder hin und während des Prozesses hatte er geäussert, dass er gehängt werden möchet wie Saddam. Der Tatverdächtige steht nicht nur wegen des Mordes an Jelena Ivanisevic vor Gericht, er wird auch einer schweren Körperverletzung und Vergewaltigung einer anderen Frau in Göteborg bezichtigt.

12. Juli 2007

Schwere Beweislast bei Vergewaltigungen

Jeder Dritte, der wegen Vergewaltigung in Schweden angeklagt wird, wird freigesprochen. Dies zeigen aktuelle Zahlen, die bei en Staatsanwaltschaften recherchiert worden sind.

Lisbeth Johansson ist Staatsanwältin in Göteborg und konstatiert, dass Vergewaltigung oft ein Verbrechen ist, bei dem lediglich zwei Menschen involviert sind - Täter und Opfer. Insofern sei es schwer, die Tat auch zu beweisen. Die Aussage des Opfers reichst dabei meist allein nicht aus, man benötigt zusätzliche Indizien, die eher dann zu finden sind, wenn die Tat so schnell wie möglich zur Anzeige gebracht wird.

Das ist frustrierend für Frauen, die Opfer von Vergewaltigungen werden und sich mit diesem Wissen überlegen, ob sie die Erniedrigung und Scham, der sie ausgesetzt gewesen sind, anzeigen sollen, wenn die Chancen auf eine Verurteilung des Täters lediglich 2:1 stehen.

Gleichzeitig meldet die Organisation BRÅ (Straftaten vorbeugender Rat), dass die Zahl von Gewalttaten in Schweden drastisch steigt.

Im letzten Jahrzehnt ist der Anstieg bei Vergewaltigungen, Körperverletzungen und Drogendelikten um ungefähr 50% angestiegen. Das ist eine deutliche Aussage an diejenigen, die Schweden noch immer für ein Paradies im Bullerbü-Format halten.

Im ersten Halbjahr 2007 wurden in Schweden 6.300 Sexualdelikte angezeigt, 10% mehr als im Vorjahr, was sicher auch daran liegt, dass Frauen entschlossener als früher Anzeige erstatten.

BRÅ stellt auch fest, dass die Straftaten, die mit Messer begangen werden, in Schweden deutlich ansteigen.

Erst vorgestern Abend wurde in Göteborg ein 45-Jähriger Kioskbesitzer erstochen. Dringend tatverdächtig sind zwei 15 und 17 Jahre alte Jugendliche.

10. Juli 2007

Zeugin in Angst? Teil 2

Vor einer Woche schrieb ich über den Überfall auf eine Zeugin in einem Mordprozess, der Ende Juli in zweiter Instanz verhandelt wird.

Heute nun gibt die Staatsanwaltschaft in einer Presseerklärung bekannt, dass der Überfall auf die 24-Jährige Frau in Hägersten möglicherweise selbst inszeniert gewesen sei. Staatsanwältin Agneta Isborn Lind: "Es gibt technische und rechtsmedizinische Beobachtungen, die deutlich gegen das sprechen, was die Frau berichtet hat. Es gibt keine objektiven Erkenntnisse, die ihre Aussage bestätigen."

Die Mutter der 24-Jährigen sagte der Nachrichtenagentur TT, dass die Staatsanwaltschaft lüge und sagte, dass ihre 4-Jährige Enkelin, die bei dem angeblichen Überfall dabei gewesen sein soll, von "bösen Männern" gesprochen habe.

Im Interesse des Schutzes anderer Zeugen, die in Schweden in der Tat viel zu schwach geschützt sind, kann man nur hoffen, dass der Fall sich bald aufklärt. Die Staatsanwaltschaft vernahm die 24-Jährige am Dienstag.

7. Juli 2007

Prostitution in Schweden

Härtere Strafen für Zuhälter und Freier fordert Ewa Carlefors von der Traffickingkommission der Stockholmer Polizei. Selbst Freier, die zum dritten Mal verurteilt werden, kommen immer noch mit Bussgeldern davon, obwohl das Gesetz auch die Möglichkeit von Haftstrafen bietet,

Hierzu muss bemerkt werden, dass es in Schweden nicht verboten ist, sich zu prostituieren, es ist hingegen verboten, sexuelle Dienste zu kaufen. Nach wie vor ein weltweit einzigartiges Gesetz, das nicht das Angebot sondern die Nachfrage unter Strafe stellt.

Die Denkweise des Gesetzgebers basiert auf der Annahme, dass Prostitution grundsätzlich Ausbeutung und Erniedrigung von Frauen impliziert. Als Deutschland vergangenes Jahr die Fussball-WM ausrichtete, gab es Stimmen schwedischer Organisationen, die schwedische Nationalmannschaft solle die WM boykottieren, da Deutschland dem Menschenhandel mit Frauen als Zwangsprostituierte zuwenig entgegensetze.

Das Gesetz hat jedoch keinesfalls zu einer Befreiung von Frauen aus unakzeptablen Verhältnissen geführt. Im Gegenteil hat sich dieser "Wirtschaftszweig", der von seinen Sympathisanten gern "das älteste Gewerbe der Welt" genannt wird, mehr in Zonen verlagert, die für die Ermittlungsbehörden nur schwer zu kontrollieren sind. So bieten sich Prostituierte au diversen Internetseiten an und statt in kontrollierbaren öffentlichen Häusern (Bordelle, Clubs, was weiss ich) sind es nun Wohnungen in der Nachbarschaft gewöhnlicher Svenssons, in denen Frauen sich verkaufen oder noch eher verkauft werden.

Die Möglichkeit der Ermittlungsbehörden, die oft über die baltischen Länder eingeschmuggelten Frauen zu schützen, sind relativ gering. Sprengt man in einem Monat nach monatelangen Observationen ein illegales Bordell mit estnischen Prostituierten, ist an anderer Stelle schon längst eine Wohnung mit rumänischen Frauen in den Betrieb genommen worden. Nicht immer sind die Frauen freiwillig hier und noch immer gibt es Zwangsprostitution mit jungen Mädchen und Frauen, die in ihren Heimatländern angelockt werden, um im Ausland in einem Restaurant oder einem Hotl zu arbeiten. Allerdings haben beispielsweise die Innenminister von Estland, Lettland und Litauen diesem vorherrschenden Mythos eine Absage erteilt. Aufgrund intensiver Ermittlungen behaupten die Minister, dass die meisten der vorwiegend russischstämmigen Frauen aus den baltischen Ländern genau wüssten, worauf sie sich einlassen.

Dennoch ist die Arbeit als Prostituierte sicher nicht der in einem Kindergarten vergleichbar. Die Situation von Frauen in einem fremden Land ohne Arbeitserlaubnis, oft ohne Schwedisch- und nur mit sehr geringen Englischkenntnissen in einem kriminellen Milieu, in dem man letztlich völlig von den Zuhältern abhängig ist, darf nicht romantisiert werden.

Ewa Carlefors kommt in dem Artikel in Dagens Nyheter zu einer erschreckenden Schlussbemerkung, da nach ihrer Ansicht Frauen lieber in Schweden als in Südeuropa "arbeiten" würden: "Die Frauen sagen, dass die Kunden hier für das bezahlen, was sie haben wollen. Das ist kein Gerede. Sie sind nicht gewalttätig, sie sind sauber und schnell in dem, was sie tun. Haben sie für eine Stunde bezahlt, sind sie nach einer Viertelstunde fertig."

Man mag es nicht glauben. Das können osteuropäische Zuhälter und Menschenhändler auf Werbeposter für künftige Prostituierte drucken. Eine Hymne an den schwedischen Freier. Er ist nicht pervers, sondern sauber und rein, entleert sich schneller als geplant und wahrscheinlich noch richtig nett. Ob schwedische Männer generell immer so schnell fertig sind? Als Überschrift über den Artikel hätte man den Gepflogenheiten schwedischer Medien enstprechend auch schreiben können: "Svenska sexköpare bäst i Europa" - Schwedische Sexkäufer die besten in Europa.

2. Juli 2007

Zeugen in Angst - Rechtssicherheit in Schweden akut gefährdet

Ein beispielloser Fall. Und doch Beispiel für viele andere.

In der Neujahrsnacht wird im Stockholmer Vorort Hägersten nach Streitigkeit ein 24-Jähriger Mann getötet. Es gibt mehrere Zeugen, darunter eine 24-Jährige Frau. Von Beginn an gibt es Drohungen gegen die Zeugen, die bereit sind, gegen die Tatverdächtigen auszusagen.

Die 24-Jährige Frau wird im April überfallen und misshandelt. Die Polizei gewährt ihr daraufhin Zeugenschutz, kommt aber nach wenigen Wochen zu der Erkenntnis, dass keine Gefahr mehr besteht. Die Zeugin hat jedoch weiterhin Angst und flüchtet auf eigene Kosten und ohne Schutz ins Ausland. Als ihr das Geld ausgeht, muss sie zurückkommen. Keine 48 Stunden später wird die Frau überfallen und schwerstens misshandelt, als sie mit ihrer 4-Jährigen Tochter am hellichten Tag einen Park besuchen will. Die beiden Angreifer schreiben ihr das Wort "död" (Tod) auf den Rücken und können unerkannt flüchten.

Der Schutz von Zeugen, die bereit sind, gegen kriminelle Gewalttäter auszusagen, ist in Schweden nahezu unbedeutend. Drohungen und Gewaltakte gegen Zeugen von Kapitalverbrechen sind in den letzten Jahren um mehrere Hundert Prozent gestiegen.

Eine Gesellschaft, die nicht willens oder in der Lage ist, ihre Bürger vor solchen Aktionen zu schützen, muss sich fragen lassen, wie es um die Rechtssicherheit bestellt ist.

Polizei und Justizbehörden müssen die Verantwortung übernehmen und ihr Möglichstes tun, dass Gewaltverbrecher dahin kommen, wo sie hingehören: Hinter Schloss und Riegel.

In Schweden hat sich die Rechtssicherheit verabschiedet.

9. Juni 2007

Polizei sucht 130 Mädchen

Ein 32-Jähriger Mann wurde diese Woche in Stockholm festgenommen. Der Mann ist seit etlichen Jahren HIV-positiv und hat trotzdem via Internet Kontakt zu Hunderten teils minderjähriger Mädchen aufgenommen und mit einer bislang unbekannten Zahl von ihnen ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt - das jüngste Opfer soll lediglich 12 Jahre alt gewesen sein.

Das bringt wenigstens zwei Straftatbestände mit sich - schwere Körperverletzung aufgrund seines verantwortungslosen Handelns trotz des Wissens um die Infizierung mit dem tödlichen Virus und zum zweiten in allen Fällen des Geschlechtsverkehrs mit Minderjährigen erfüllt das nach schwedischem Recht den Straftatbestand der Vergewaltigung.

Die Polizei bittet nun alle Mädchen und jungen Frauen, die den Mann getroffen haben und sexuelle Kontakte mit ihm hatten sich zu melden. Bislang sind zwei Opfer HIV-positiv getestet worden.

Wir brauchen dringend eine bessere Gesetzgebung und die Betreiber von Internetseiten à la Lunarstorm, Snyggast usw sollten sich um bessere Sicherheit bemühen. Eltern sollten sich auch einmal die Internetseiten anschauen, auf denen ihr Kinder surfen, mit ihnen die Inhalte diskutieren und sie auf die Gefahren aufmerksam machen.

Der Täter traf sich mit seinen Opfern vorwiegend in einem billigen Hotel in Västberga, er hat seine minderjährigen Opfer systematisch in einer Kartei erfasst und viele der Sexakte sind auch fotografiert worden, möglicherweise gibt es Bilder im Internet.

19. April 2007

Der Alexandramann

Atheer Al Suhairy stand gestern vor dem Oberlandesgericht, das zwar seine 12-Jährige Haftstrafe auf zehn Jahre senkte, aber es bleibt bei lebenslanger Ausweisung aus Schweden - in den Irak, den Al Suhairy als kleiner Junge verlassen hatte.

Auch das Revisionsgericht sah es als erwiesen an, dass sich Al Suhairy über mehrere Jahre als "Alexandra" in verschiedenen Internetforen mit Kindern und jungen Mädchen unterhalten hat. Er gab vor, ein Fotomodell namens Alexandra zu sein, erschlich sich so das Vertrauen der Heranwachsenden. Alexandra vermittelte dann den Kontakt zu einem männlichen Freund, Al Suhairy.

58 Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren hat "Alexandra" Al Suhairy innerhalb mehrerer Jahre sexuell missbraucht. Einige von ihnen haben Selbstmordversuche unternommen, viele sind immer noch in psychiatrischer Behandlung.

Der Prozess gegen den "Alexandramann" ist das umfassendste Sexualdelikt in der schwedischen Kriminalgeschichte.

Nach Verbüßung der Haftstrafe soll Al Suhairy in sein Heimatland Irak ausgewiesen werden.

Unverständlich, warum das Oberlandesgericht die Haftstrafe in einem besonders schweren Fall uzm zwei Jahre absenkt, unverständlich, warum al Suhairy nicht sofort in den Irak abgeschoben wird und seine Opfer und deren Angehörige zehn Jahre lang mit ihren Steuern den weiteren Aufenthalt eines Mannes finanzieren müssen, der nicht nur Körper geschändet, sondern vor allem Seelen auf unabhsehbare Zeit schwer geschädigt hat.

15. April 2007

Tod eines Au-Pairs

Es ist einer der spektakulären Kriminalfälle, die man ansonsten eigentlich nur aus Romanen und Filmen kennt.

Die 20-Jährige Jelena Ivanisevic kam aus Kroatien zum Studieren nach Schweden und arbeitete und wohnte als Au-Pair-Mädchen in einer schwerreichen schwedischen Familie. Die Gasteltern sind auf einem Urlaub in Übersee und Jelena ist alleine zu Hause.

Als sie längere Zeit nichts von sich hören lässt, werden Freunde in Schweden und Verwandte in Kroatien unruhig. Die Polizei bricht die Tür der Luxusvilla auf und findet Jelena in Handschellen tot auf einer Toilette. Zunächst will die Polizei Selbstmord (?) nicht ausschliessen, teilt aber der Familie in Kroatien schon bald mit, dass Jelena offenbar ermordet wurde.

Zunächst gehen die Ermittlungsbehörden in Göteborg davon aus, dass Jelena möglicherweise von einem Bekannten getötet wurde. In den aller meisten Tötungsdelikten sind es dem Opfer Bekannte oder gar Nahestehende, die verantwortlich sind.

Dem Mobiltelefon Jelenas wird Bedeutung beigemessen. Sämtlicher SMS- und Telefonverkehr wird zurückverfolgt, mit allen Kontakten gesprochen.
Am 7. April hatte Jelena ihrem älteren Bruder in Kroatien eine SMS geschrieben, dass sie eine geplante Reise nach Norwegen abgesagt hätte. Tags darauf antwortet der Bruder und fragt, wie es Jelena geht, erhält aber keine Antwort. Am Donnerstag, als Jelena mehrere Verabredungen nicht eingehalten hat und an der Haustür nicht auf das Klingeln antwortet, wenden sich Bekannte an die Polizei.